Antonia Rados erklärt

Darum brodelt der Iran-Konflikt mit den USA

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8. August 2019 - 9:58 Uhr

Von Antonia Rados

Konflikte sind wie die Erderwärmung. Sie brechen nicht über Nacht aus. Alles kocht jahrzehntelang dahin, ohne dass man es merkt. Nimmt man ihn wahr, ist es meistens schon zu spät. Das gilt besonders für den amerikanisch- iranischen Konflikt. Er begann bereits vor 66 Jahren.

Die Demütigung der USA

1953 hatten Briten und Amerikaner den damaligen iranischen Ministerpräsidenten Mossadegh gestürzt. Er war ihnen zu unabhängig und hatte die sich in britischen Besitz befindliche Erdölfirma verstaatlicht. Der Sturz des Mossadegh wurde als nationale Demütigung angesehen.

Darauf folgten Jahrzehnte, in denen Iran unter Herrschern wie Schah Reza Pahlevi pro- amerikanisch regiert wurde. 1979 erfasste ein Sturm von Protesten das Land. Gewonnen haben nicht zufällig die Anti-Amerikaner. Die nationalistisch-religiösen Kreise um den inzwischen verstorbenen Ayatollah Khomeimi kamen an die Macht.

Seither ist ihr erklärtes Ziel: Gibt es wieder eine Demütigung, dann die der USA.

Nicht zum Kniefall bereit

So wurden 1980 amerikanische Diplomaten als Geiseln genommen. Mit Hilfe libanesischer Milizen wurden drei Jahre danach über 200 U.S - Marines im Libanon getötet.

Auch regimekritische Iranerinnen und Iraner sind, entgegen der üblichen Meinung, nicht zu einem Kniefall vor den USA bereit. Sogar der 2015 von Obama ausgehandelte Atom-Deal war geprägt von dem Geist des Misstrauens gegen die Amerikaner.

Drohne über der Straße von Hormus

Nach diesem Muster läuft auch die jüngste Krise ab: Präsident Donald Trump, Oberster Kommandant der mächtigsten Streitkräfte der Welt wird erniedrigt, indem Iran eine kostspielige Drohne über der Straße von Hormus abschießt. Trump ist beinahe der ideale Gegner der Iraner, ein Musterbeispiel des "hässlichen, ungebildeten Amerikaners". Ein Mann, der glaubt, der Putsch gegen Mossadegh 1953 ist vergessen. Er irrt sich.