Iran: Frauen erstmals seit 37 Jahren bei Männer-Fußballspiel im Stadion – zwischen "Sünde und "Beginn einer neuen Ära"

17. Oktober 2018 - 17:22 Uhr

Erstes Männer-Länderspiel mit Frauen als Zuschauern seit 1981

Das sportlich bedeutungslose Freundschaftsspiel Iran gegen Bolivien war für die Frauen im Iran ein Meilenstein: 100 weibliche Zuschauer durften das Fußballspiel live auf der Tribüne verfolgen. Erstmals seit 37 Jahren waren damit Frauen bei einem Männer-Fußballspiel zugegen – sie bejubelten ihr Nationalteam beim 2:1-Sieg. Die Bilder der frenetisch feiernden Frauen, die die Staatsanwaltschaft als "sündhaft" bezeichnet, sehen Sie im Video.

"Das Verbot hat nichts mit Fußball zu tun, sondern es handelt sich um eine Sünde"

Die Spieler und Irans portugiesischer Nationaltrainer Carlos Queiroz freuten sich über die ungewohnte, lautstarke Unterstützung. Für ihn könne dies "der Beginn einer neuen Ära" im Iran werden, die er sehr begrüße, sagte Queiroz. Der verletzte Spieler Hossein Mahini twitterte: "Hoffentlich gehört euch (Frauen) bald die Hälfte des Asadi-Stadions."

Da widerspricht die Staatsanwaltschaft vehement. Denn obwohl die von den Behörden ausgewählten 100 Frauen Angehörige der Spieler, Angestellte des iranischen Fußballverbandes und Nationalspielerinnen waren, kritisierte Generalstaatsanwalt Mohamed Dschafar Montaseri die Aktion. "Das Verbot hat nichts mit Fußball zu tun, sondern es handelt sich um eine Sünde", sagte er. Die Sünde bestehe darin, dass Frauen "halbnackte Männer" zu sehen bekämen. Die Staatsanwaltschaft habe Ermittlungen eingeleitet und werde beim nächsten Mal konsequenter eingreifen.

Stadionverbot im Iran nicht mehr zeitgemäß

Während der WM in Russland durften Frauen für die Iran-Spiele erstmals seit 1981 ins Asadi-Stadion in Teheran – zum Public Viewing. Für viele im Land ist ein Stadionverbot für weibliche Zuschauer im 21. Jahrhundert nicht mehr tragbar, aber erzkonservative Geistliche beharren weiterhin darauf.