Vergeltung für Soleimani-Tötung

Iran feuert Raketen auf zwei US-Militärstützpunkte im Irak

08. Januar 2020 - 15:39 Uhr

Sorge vor neuer Eskalation im Nahen Osten

Ein iranischer Vergeltungsangriff auf US-Soldaten im Irak schürt die Angst vor einer weiteren Eskalation und einem möglichen neuen Krieg im Nahen Osten. Die Luftwaffenstützpunkte Militärstützpunkte in Al Asad und Erbil mit US-Soldaten im Irak wurden mit iranischen Raketen angegriffen. Auf einem sind auch deutsche Soldaten stationiert. Die Angriffe sind ein Racheakt für die Tötung seines Top-Generals Ghassem Soleimani.

Bislang keine Angaben zu Verletzten oder Toten im Irak

Wie das US-Verteidigungsministerium bestätigte, kamen die Raketen aus dem Iran. "Wir arbeiten an ersten Einschätzungen der Schäden", erklärte das Pentagon. Angaben zu Verletzten oder Toten machte man noch keine. Die iranischen Revolutionsgarden teilten hingegen mit, dass der mit 35 Raketen attackierte Luftwaffenstützpunkt Al Assad "vollständig zerstört" wurde. Außerdem seien 80 Menschen ums Leben gekommen, berichtet das iranische Staatsfernsehen. Es spricht von "amerikanischen Terroristen".

Trump hatte Teheran vor den Angriffen gewarnt: "Falls der Iran irgendetwas macht, was er nicht tun sollte, werden sie die Konsequenzen erleben. Und das sehr stark." Nach den Angriffen schrieb Trump auf Twitter: "Alles ist gut!" und kündigte für Mittwochmorgen eine Erklärung an.

Das iranische Militär hat unterdessen mit Attacken auf Israel gedroht, falls die USA mit Vergeltungsaktionen reagieren. "Falls die Amerikaner eine Dummheit begehen, gerät das gesamte Territorium des zionistischen Regimes (Israel) in Gefahr", sagte General Sanei Rad

Deutschen Soldaten in Erbil geht es gut

Im Irak sind rund 5.000 US-Soldaten stationiert, die ein internationales Militärbündnis zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anführen. In Erbil befinden sich auch 100 deutsche Bundeswehr-Soldaten. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos sagte, dass es den Soldaten im Norden gut gehe.

Zu den weiteren Folgen der iranischen Raketenangriffe konnte ein Bundeswehrsprecher keine Angaben machen. "Uns geht es zunächst um die Sicherheit der Soldaten, sagte er.

Iranische Revolutionsgarde warnt vor Gegenangriffen der USA

Die Revolutionsgarden warnten direkt nach den Attacken den "großen Satan" USA vor Gegenangriffen. Jede US-Reaktion werde mit einer härteren Reaktion erwidert, teilte die Eliteeinheit der iranischen Streitkräfte am frühen Mittwoch in einer Presseerklärung mit. Auch Verbündete der USA würde man angreifen, sollten von dort aus Angriffe auf den Iran erfolgen.

Mohammed Dschawad Sarif, Irans Außenminister, nannte die Raketenangriffe über Twitter einen "Akt der Selbstverteidigung". "Wir streben nicht nach einer Eskalation oder Krieg, aber wir werden uns gegen jede Aggression verteidigen", hieß es weiter.

Luxemburgs Außenminister sieht Zeichen der Deeskalation

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn hat den Raketenbeschuss des Irans auf US-geführte Militärstützpunkte im Irak als eher deeskalierendes Zeichen gewertet. "Es scheint ja, wie wenn es eine dosierte Antwort des Irans gewesen wäre. Die Amerikaner haben auch nicht direkt zurückgeschlagen", sagte Asselborn im Interview des Deutschlandfunks auf die Frage, ob ein direkter militärischer Schlagabtausch zwischen den USA und dem Iran bevorstehe. Vielleicht habe der Iran tatsächlich nicht Soldaten treffen, sondern zeigen wollen, "dass sie natürlich imstande sind, amerikanische Basen anzugreifen", so Asselborn. "Das könnte, wie ich sage, noch einmal ein Zeichen der Entspannung sein."