Interview mit Heiner Lauterbach

6. September 2012 - 19:04 Uhr

Sie spielen Gerhard Maug; eine wenig emotionale Figur, recht untypisch für Sie. War die Vorbereitung für die Rolle besonders?

Nein, das wäre übertrieben. Man bereitet sich eigentlich immer gleich vor; indem man ein paar Mal das Drehbuch liest, Gespräche führt mit dem Regisseur, gegebenenfalls noch dem Produzenten und dann die Rolle auswendig lernt. Aber dass es eben keine ganz übliche Figur, nicht nur für mich, sondern auch im Allgemeinen für das deutsche Fernsehen ist, macht die Sache spannend.

Der Film thematisiert eine Extremsituation. Kennen Sie die in ihrem Leben auch? Gab es Situationen, in denen Sie schon am Abgrund standen?

Was heißt am Abgrund, das sind so hochtrabende Begriffe. Sicher kenne ich Situationen, in denen es mir sehr schlecht ging, oder die sehr gefährlich waren, oder wo man befürchten musste; in irgendeiner Form abzustürzen. Wer meine Biographie gelesen hat, der weiß das ja. Das sind Dinge, die einem widerfahren sind im Leben, die nicht schaden können als Schauspieler, wenn man sie mal durchlebt hat. Es wäre natürlich vermessen zu behaupten, dass man sie getan hat, um sie dann besser spielen zu können, oder es wäre auch bescheuert. Andererseits mag es Naturtalente geben, die das alles aus ihrer Fantasie ziehen, aber ich glaube es ist für einen Schauspieler im Nachhinein nicht hinderlich, wenn er viel erlebt hat.

Waren die Bedingungen bei den Dreharbeiten besonders extrem?

Ja, das kann man sich so vorstellen. Katastrophenfilme sind ja immer mit irgendwelchen Extremdingen verbunden. "Die Sturmflut" mit Wasser, "Dresden" mit Feuer, hier haben wir es vorzugsweise mit Dreck zu tun. Das war natürlich nicht so schön, wenn man morgens um sieben Uhr frisch geduscht in die Maske kommt und dann kann man sich gleich mit Paste voll kleistern lassen. Aber geteiltes Leid ist halbes Leid. Der Matthias (Koeberlin) war noch schlimmer dran und bekam immer noch mehr von der Paste ins Gesicht und musste auch noch seine Wunden machen lassen. Aber das ist nun mal erforderlich für die ganze Sache. Und wenn man weiß, dass es hinterher etwas Vernünftiges wird, ist es halb so schlimm. Schlimm ist nur, wenn man sich diesen Torturen unterziehen muss und weiß schon, dass es keine gute Sache wird. Dann macht es nicht so viel Freude. Aber der Film war ja eine Mischung aus Pyrotechnik und Visual Effects, diese Spezialaufnahmen, und das heißt, dass wir natürlich auch mit der einen oder anderen Sprengladung in Berührung kamen.

In Deutschland ist die Eruption eines Vulkans nicht wirklich ein Thema. Der Film ist ganz klar Fiktion. Sie sind jetzt zwar kein Spezialist. Aber ist das in Deutschland ein unterschätztes Thema?

Wir haben ja so viele Themen. Im Moment ist es die Schweinegrippe. Tatsache ist, dass der letzte Vulkan vor 13.000 Jahren ausgebrochen ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Vulkan in den nächsten 20.000 Jahren, was alles unglaublich kleine Zeiträume sind für unsere vulkanische Evolution, wieder ausbrechen wird, ist sehr hoch. Wann genau, weiß natürlich kein Mensch. Dieser Film ist von vielen Wissenschaftlern begleitet worden und wir haben gesehen, was damit alles verbunden ist. Ich wäre ganz froh, wenn er denn zu meinen Lebzeiten ausbräche, ich aber dann nicht so nah dran wäre.

Auch wenn wir jetzt nicht so nah dran sind, gibt es da bei ihnen gewisse Ängste?

Nein. Ängste wären jetzt übertrieben.

Wovor haben Sie grundsätzlich Angst? Gibt es da irgendwelche Dinge?

Es gibt Sachen, die ich nicht gerne tue. Ich fliege zum Beispiel nicht gerne. Aber das als Flugangst zu bezeichnen, wäre auch übertrieben. Ich habe vor weltlichen Dingen wie Krieg und Krankheiten Respekt. Angst nicht unbedingt, weil jetzt keine akute Gefahr besteht. Na ja, vor Krieg sollte man schon Angst haben, klar. Aber es gibt jetzt keine unmittelbaren Ängste, die mich plagen.

Interview mit Heiner Lauterbach

Sie haben von ihrem bewegten Leben erzählt und von Extremsituationen. Haben Sie in ihrem Leben auch schon einmal Todesangst verspürt?

Ja, das habe ich schon. Aber das würde jetzt den Rahmen sprengen.

Geht man mit Katastrophenfilmen heute anders um?

Ja. Was geblieben ist vom klassischen Katastrophenfilm und was vermutlich auch unvermeidbar ist in der Fiction, ist, dass man sich verschiedenen Schicksalen annimmt, um die Katastrophe zu begleiten. Das macht auch Sinn. Es gibt ja gar keinen anderen Weg. In den klassischen amerikanischen Flugzeugabsturzfilmen, von denen es wahrscheinlich 1000 gibt, wird das ja immer wieder so gehandhabt – auch in den Persiflagen dieser Filme. Das ist auch hier gemacht worden, aber in einer sehr subtilen Art und Weise, wie ich finde. Insofern hat sich da was geändert. Wir haben heutzutage natürlich ganz andere Möglichkeiten diese Dinge zu zeigen. Das wurde von den Visual-Effect-Leuten hier auch wirklich großartig gemacht.

Sie haben Frau und Kind. Was würden Sie als erstes in Sicherheit bringen wollen, wenn es zu einer Katastrophe käme?

Meine Familie.

Darüber hinaus?

An Hab und Gut?

Gibt es vielleicht materielle Dinge, die ihnen wichtig sind und ohne die es nicht geht?

Nicht etwas, was jetzt irgendwo verankert wäre. Wenn das Geld auf der Bank bliebe, wäre das schon ganz gut. Das wird ja auch alles virtuell gemacht heutzutage. Ich habe aber kein Lieblingsauto, was ich jetzt schnell aus der Garage fahren würde, oder kein Bild oder dergleichen.

Ist so ein großes Projekt für einen Schauspieler auch etwas Besonderes?

Ja. Man sollte versuchen jede Aufgabe, die man als Schauspieler zu erfüllen hat, als etwas Besonderes zu erachten. Sonst würde man ja andere Produktionen vernachlässigen. So eine aufwendige Produktion ist natürlich mit etwas mehr Geld verbunden. Dementsprechend hat man, wenn sie gut gemacht ist, schon die Möglichkeit etwas Besonderes auf die Beine zu stellen – was in diesem Fall gelungen ist. Man kann natürlich auch mit viel Geld Murks machen. Aber es ist schon schön, bei Produktionen dabei zu sein, wo nicht auf jeden Pfennig geguckt wird. Wenn sich das dann widerspiegelt, in dem, was man sieht, dann macht einem das auch Freude. Ich weiß, wie teuer diese ganzen Visual Effects sind. Und wir waren schon immer ein recht großer Haufen da. Die Dekoration und die bauten - das geht schon ins Geld. Aber wenn was Gutes dabei rauskommt, ist es ja umso besser.

War die Zusammenarbeit mit den Kollegen aufgrund der extremen Bedingungen intensiver?

Wir waren ja jetzt nicht monatelang auf einer einsamen Insel zusammen und mussten in einem Schlafsaal oder einem Zelt wohnen. Man fährt dann abends doch wieder direkt in sein Hotel und geht dort duschen.

Der Ausbruch ist für die Protagonisten im Film ein Wendepunkt. Gibt es auch in ihrem Leben einen Wendepunkt?

Nein. Das Leben ist ja eine ständige Veränderung, die sich bei mir in der Regel aber recht fließend ergeben hat. Also es gab nicht einen Punkt im Leben, wo ich gesagt habe, ich muss von jetzt auf gleich alles verändern. Bei den größeren Entscheidungen, die ich getroffen habe, habe ich mir immer lange Zeit gelassen und Anlauf genommen und es peu à peu werden lassen wie es dann wurde.

Das sind heute wahrscheinlich ganz andere als vor zwanzig Jahren?

Das will ich hoffen. Das wäre ja grausig – egal in welche Richtung. Im günstigsten Fall entwickelt man sich ja weiter. Und im allergünstigsten Fall wird man etwas weiser und ruhiger und erfahrener.

Gibt es einen persönlichen Bezug zur Eifel?

Ja, seit klein auf bin ich ständig in der Eifel unterwegs gewesen, weil mein Vater in Birresborn bei Gerolstein ein Fischwasser hatte. Innerhalb der Kill ein Los, wie das heißt. Anfangs haben wir in Birresborn noch im Hotel gewohnt, und später hatten wir eine kleine Hütte dort. Und mein Vater hat später auch noch eine Jagd in der Eifel gehabt. Und ich hab da wahnsinnig viel gefischt, meine erste Forelle gefangen in der Kill und ich war da bestimmt 100 Mal. Ich bin immer von Köln nach Birresborn gefahren. Das ist genau eine Stunde lang, 100 Kilometer durch die Eifel. Ich kenne die Eifel somit recht gut und kann auch den rauen Charme der Eifel bestätigen, mit allem was dazugehört. Die Leute in dem Örtchen Bad Münstereifel, wo wir gedreht haben, waren recht nett. Die haben auch ein großes Verständnis gehabt für uns. Das ist ja am Anfang, wenn man da als große Truppe hinkommt, erst mal spannend, aber spätestens nach der ersten Woche sind die ersten genervt und nach zwei Wochen wird's dann immer schwieriger. Vor allen Dingen bei dem, was wir da aufgeführt haben. Die wussten gar nicht wie ihnen geschieht. Aber das haben sie mit großer Geduld getragen.