Er wollte nochmal von vorne beginnen

Eklat im TV: AfD-Politiker Björn Höcke bricht Interview ab

01.09.2019, Brandenburg, Werder: Björn Höcke, Vorsitzender der AfD in Thüringen, nimmt bei der AfD-Wahlparty zur Landtagswahl in Brandenburg teil. Foto: Gregor Fischer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Landtagswahl Brandenburg - Wahlparty AfD
wok, dpa, Gregor Fischer

AfD-Spitzenkandidat Björn Höcke droht im "Berlin direkt"-Interview

Ein Interview des ZDF mit dem AfD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Thüringen, Björn Höcke, hat mit einem Eklat geendet. Nach rund zehn Minuten kritischer Fragen schaltet sich Höckes Pressesprecher ein und bittet darum, das Interview zu wiederholen: „Er ist darauf nicht vorbereitet gewesen". Als der Journalist das ablehnt, droht Höcke mit "massiven Konsequenzen".

Björn Höcke: Sprachliche Nähe zum Nazionalsozialismus?

In dem Gespräch, das am Sonntagabend in der Sendung "Berlin direkt" ausgestrahlt wurde, ging es zunächst um die Sprache des Politikers vom rechtsnationalen Flügel und um NS-Begriffe. Das ZDF hatte AfD-Politikern im Vorfeld Zitate von Höcke vorgelegt und sie gebeten einzuschätzen, ob sie aus Hitlers "Mein Kampf" oder aus Björn Höckes Buch stammen. Keiner wollte sich festlegen. Im Interview wurde Höcke mit den Antworten konfrontiert.

Nach etwa zehn Minuten unterbricht sein Pressesprecher: „Ich würde sagen, das sollten wir einfach wiederholen. Das geht so nicht. Das geht so nicht. Sie haben jetzt Herrn Höcke mit Fragen konfrontiert, die ihn stark emotionalisiert haben. Diese Emotionen, glaube ich, sollte man so nicht im Fernsehen bringen".

Das Interview wurde am vergangenen Mittwoch in Erfurt geführt. Das ZDF hat es in voller Länge online gestellt.

"Das Interview wird nicht verwendet, oder?"

Eine Wiederholung lehnte der ZDF-Redakteur ab. „Ich bin jetzt sechs Jahre im politischen Bericht. Ich habe noch nie ein Interview fürs Fernsehen wiederholt, weil es irgendwann hieß, es läuft nicht entsprechend, wie wir uns das vorstellen", so der Journalist. Höcke war nach eigenen Aussagen davon ausgegangen, dass es in erster Linie um den Landtagswahlkampf gehen würde. Das ZDF betont, dass es laut Absprache nicht um Thüringen, sondern die bundespolitische Bedeutung Höckes gehen sollte.

Einige Minuten später sagte Höcke: „Wir beenden das Interview.(...) Dann ist klar, dass es mit mir kein Interview mehr für Sie geben wird". Auf die Frage, ob das eine Drohung sei, sagte Höcke: „Nein, das ist nur eine Aussage, weil auch ich nur ein Mensch bin". Auf die weitere Frage: „Was könnte kommen", antwortete Höcke: „Vielleicht werde ich mal eine interessante persönliche, politische Person in diesem Land. Könnte doch sein". Am Ende hört man den Pressesprecher noch fragen: „Das Interview wird aber nicht verwendet, oder?".

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"Völlig richtig, das Interview nicht weichzuspülen"

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Frank Überall, erklärte, es sei völlig richtig gewesen, dass sich der ZDF-Kollege nicht darauf eingelassen habe, das Interview in Höckes Sinne "weichzuspülen". „Björn Höcke hat ein weiteres dunkles Kapitel des gestörten Umgangs der AfD mit der Pressefreiheit im allgemeinen und kritischen Journalistinnen und Journalisten im besonderen aufgeschlagen", kritisierte Überall. Das ausführliche Interview, sehen Sie im Video.

Interview Frank Ueberall zu Hoecke
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Interview Frank Ueberall zu Hoecke

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