Internet "von unten": Wenn User das Web gestalten

28. Januar 2015 - 14:17 Uhr

"Von unten" gemacht satt von oben diktiert

Wissen miteinander zu teilen ist mit Hilfe des Internets nicht schwierig und vor allem schnell möglich. Und dabei müssen sich User längst nicht mehr der Dominanz globaler Player beugen. Statt sich auf Google und Konsorten zu verlassen, werden einige Nutzer aktiv, nutzen das Web für sich, gestalten Inhalte mit – und können das manchmal sogar viel besser als die etablierten Datenkraken.

Internet "von unten": Wenn User das Web gestalten
© dpa bildfunk

Straßenschilder brauchen Nina Binder und ihre Freundin nicht mehr. Seit sieben Jahren zücken die beiden Reiterinnen lieber ihre kleinen GPS-Geräte und sammeln so sattelitengestützte Daten ihrer Routen durch Wald und Feld. Nach dem Ausritt wird nicht nur das Pferd, sondern auch eine Internetplattform gefüttert: Open Street Map heißt das System, mit dem weltweit haben knapp zwei Millionen Freiwillige ihre Umgebung kartieren. Dabei ergeben die gesammelten Geo-Daten aller User – gerade in ländlichen Gebieten – oft sehr genaue Karten. Verglichen damit ist das Reitrevier auf Google Maps kaum mehr als ein grüner Fleck.

Die Vermessung der Welt als Ziel, jeder kann mitmachen, alles ist kostenlos. Und für die Nutzer gibt es noch einen Vorteil. "Das wichtige ist das Sharing", erklärt Nina Binder den Reiz der Plattform. "Dass man einfach tolle Momente, tolle Landschaften, schöne Orte mit anderen teilt und auf diese Weise das Wissen zur Verfügung stellt."

Gratis-Surfen und digitale Selbstverteidigung

Der Verein Freifunk denkt da ähnlich. Die Gruppe will in Berlin Kreuzberg und anderen Städten ein kostenloses WLAN für alle anbieten. Eine Anmeldung oder Zeitbegrenzung gibt es nicht, und das, obwohl allein die technische Anlage knapp 2.000 Euro kostet. Ermöglicht wird das alles durch einen Förderverein, Spenden und ganz viel Idealismus der Freifunker.

Doch was nützt offenes WLAN, wenn man im Internet ständig die Angst haben muss, abgehört zu werden? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Gäste auf einer sogenannten Crypto-Party. Getanzt und gefeiert wird nicht, die Stimmung ist eher konzentriert. Die Teilnehmer hier wollen lernen, wie sie ihre privaten Daten besser schützen, E-Mails verschlüsseln, oder anonym surfen können. Digitale Selbstverteidigung, die spätestens seit den Snowden-Enthüllungen dringend nötig ist. Organisator Hauke Laging will das Wissen auch an Schulen bringen. Auch hier wieder: großer Idealismus.