Internationaler Währungsfonds (IWF) rechnet vor: So absurd ist die aktuelle Energiepolitik

Mit 550 Milliarden Dollar pro Jahr werden fossile Brennstoffe weltweit unterstützt.
© dpa, Patrick Pleul

10. Dezember 2015 - 11:14 Uhr

So leicht wäre die globale Energiewende zu stemmen

In Paris verhandeln Regierungsvertreter, nichtstaatliche Organisationen, Thinktanks und Lobbyisten über nichts anderes als über die Rettung der Menschheit. Beim Weltklimagipfel geht es darum, die Erderwärmung so zu begrenzen, dass der Planet Erde für Menschen bewohnbar bleibt. Dazu muss der CO2-Ausstoß drastisch gesenkt werden. Wie geht das? Mit erneuerbaren Energien.

Die Welt umzurüsten auf grüne Energie kostet natürlich Geld. Auch darum wird in Paris gestritten. Es ist die 100-Milliarden-Dollar-Frage. Experten gehen davon aus, dass ärmere Länder pro Jahr etwa 100 Milliarden Dollar benötigen, um sich klimafreundlich zu entwickeln. Die Industriestaaten haben vor Jahren versprochen, dass ab 2020 jährlich diese Summe aus öffentlichen und privaten Mitteln fließen soll.

Es ist keine Überraschung, dass die Gelder noch nicht bereitliegen. Es wird um jeden Dollar geschachert in Paris. Dabei ist es ganz einfach, 100 Milliarden Dollar pro Jahr bereitzustellen. Denn jährlich werden fossile Brennstoffe weltweit mit 550 Milliarden Dollar direkt unterstützt. Aber es geht noch schlimmer: Die indirekten Hilfe, sogenannte "post tax subsidies", summieren sich auf 5,3 Billionen Dollar. Pro Jahr!

Diese Zahlen hat nicht irgendwer veröffentlicht, sondern der Internationale Währungsfonds IWF. 5,3 Billionen Dollar sind 6,5 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Die meisten Subventionen werden in der "Werkbank der Welt", in China, gezahlt. Die Chinesen wenden 2,2 Billionen Dollar auf, um fossile Brennstoffe billig zu halten. Hinter China folgen die USA und Russland.

Ukraine gibt 60 Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung für die Fossilen aus

Auch Iran und Saudi-Arabien sind unter den Top Ten, vor allem weil sie Öl und Gas für die heimische Wirtschaft und die Verbraucher künstlich zu verbilligen. Betrachtet man die nationalen Wirtschaftsleistungen, dann ist die Ukraine der größte Subventionierer der Welt. Die Ukraine gibt 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Subventionen aus. Das zeigt: die Kohlevorkommen im umkämpften Donbass dienen im russisch-ukrainischen Krieg nur als Vorwand, um die Kampfhandlungen aufrecht zu erhalten. Die Kohlewirtschaft an sich ist völlig unrentabel. Mehr als 30 Prozent seines BIPs wenden Bosnien-Herzegowina, Serbien und Bulgarien für Subventionen für fossile Brennstoffe auf.

Pro Kopf gesehen ist Katar der größte Subventionierer fossiler Energie. Das Scheichtum zahlt 6.000 Dollar pro Kopf und Jahr an Hilfen für Öl, Kohle und Gas. Dahinter folgen Luxemburg, Kuwait und Saudi-Arabien.

Der IWF rechnet sogar vor, dass die Streichung der Energiesubventionen die Hälfte der Todesfälle durch Luftverschmutzung vermeiden kann. Außerdem würde die CO2-Emission um 20 Prozent gesenkt, so die Experten.

Diese Zahlen belegen eindrucksvoll, wie absurd die Energiepolitik betrieben wird und wie leicht man die globale Energiewende erreichen könnte. Leider sind die Öl-, Gas- und Kohlelobbyisten mit den Regierungen dieser Welt so eng verstrickt, dass eine globale Energiewende trotz der alarmierenden Klimasignale leicht auf den Sanktnimmerleinstag verschoben werden kann.