Sara erlebt einen Albtraum

Vom eigenen Freund missbraucht: "Er wurde von der einen auf die andere Sekunde plötzlich gewalttätig"

25. November 2020 - 16:39 Uhr

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Es ist nun knapp 1,5 Jahre her und trotzdem verfolgt es Sara (Name von der Redaktion geändert) wie ein dunkler Schatten. In ihrer vergangenen Beziehung hat die junge Frau Unvorstellbares durchgemacht. Zwei Mal wird sie von ihrem Ex-Freund vergewaltigt. Lange Zeit sieht sie sich als Opfer, gibt sich die Schuld. Erst in einer Beratungsstelle bekommt sie Unterstützung und lernt, mit ihren furchtbaren Erlebnissen umzugehen.

Wie es Sara heute geht und wie sie den Kampf gegen ihre dunkle Vergangenheit gewonnen hat, erzählt sie im Video.

Es beginnt mit Handgreiflichkeiten und endet in Vergewaltigung

Am Anfang scheint alles schön, wie die perfekte Beziehung. "Er wurde von der einen auf die andere Sekunde plötzlich gewalttätig. Es war, als hätte es Klick gemacht und er hätte ein anderes Gesicht bekommen", beschreibt Sara, die nicht erkannt werden will, die schlimmsten Momente ihres Lebens. Zunächst wird ihr Ex-Freund handgreiflich - bevor er sie zweimal vergewaltigt. Danach habe er sie psychisch fertig gemacht, erzählt sie.

Auch nach der Trennung trifft sie den Täter mindestens einmal die Woche in der Schule, denn beide sind in einer Klasse. Sara verschließt sich immer mehr, ist an jedem Schultag psychisch am Ende, traut sich irgendwann gar nicht mehr in die Schule zu kommen. Doch dann fasst sie einen Entschluss, wendet sich an eine Lehrerin und wechselt schließlich die Klasse.

Eine Beratungsstelle für Frauen hilft Sara auf die Beine

Lange Zeit kann die junge Frau nicht einordnen, was ihr passiert ist. Hilfe findet sie bei der Frauen- und Mädchenberatungsstelle in Braunschweig, eine von insgesamt 19 Beratungsstellen in Niedersachsen, die Frauen und Mädchen unterstützt. Hier lernt Sara, über das Erlebte zu sprechen – und, dass sie nichts falsch gemacht hat. Täglich unterstützen die Mitarbeiterinnen hier Frauen, die ähnliches wie Sara durchgemacht haben.

Gewalt gegen Frauen ist ein tägliches Problem

Gewalt gegen Frauen ist ein Alltagsproblem. "Jeden Tag in Deutschland versucht ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten. Jeden dritten Tag gelingt es ihm", twitterte heute Außenminister Heiko Maas zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Allein 2019 starben 117 Frauen durch Partnerschaftsgewalt.

Die Corona-Krise verschärft die Situation vieler Frauen

Im Pandemiejahr 2020 ist die Situation für Frauen besonders schwierig. Vor allem, wenn der Täter im gleichen Haushalt lebt, können Betroffene sich nur schwer Hilfe holen. "Im ersten Lockdown mussten wir für persönliche Beratung die Beratungsstelle dicht machen. Das hat dazu geführt, dass nur noch die Leute uns erreichen konnten, denen es möglich war, uns telefonisch anzurufen oder eine E-Mail zu schreiben – was einfach nicht alle können", erzählt Ann-Kristin Hartz von der Frauen- und Mädchenberatung in Braunschweig.

Aufgrund von Kontaktlisten kann in Corona-Zeiten die Anonymität der Betroffenen nicht mehr gewahrt werden. Die Maskenpflicht macht es den Beraterinnen außerdem schwer, auf Gestik und Mimik zu achten.

Im Fall von Sara war Corona aber kein Problem. Nach fast einem Jahr regelmäßiger Beratung ist sie bereit, auf eigenen Beinen zu stehen – und inzwischen sogar in einer neuen, glücklichen Beziehung.

Hilfe finden betroffene Frauen unter anderem hier.