Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen: Deutsche Politikerinnen fordern mehr Plätze in Frauenhäusern

25. November 2018 - 19:19 Uhr

Deutliche Botschaften seitens Politikerinnen und Aktivistinnen

"Yes means yes, and no means no." Das war die Botschaft zahlreicher irischer Frauen, die Mitte November auf die Straße gegangen sind, um gegen "Victim Blaming" zu protestieren. Anlass war ein Vergewaltigungsprozess, bei dem der Täter freigesprochen wurde, weil das 17-jährige Opfer ein Spitzenhöschen trug. Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen fordern jetzt deutsche Politikerinnen auch hierzulande mehr Unterstützung - zum Beispiel müssten Frauenhäuser dringend mehr Plätze bekommen.

Jede dritte Frau weltweit wird Opfer von Gewalt

Das Bundeskriminalamt hatte bereits Anfang der Woche furchterregende Zahlen veröffentlicht. Demnach versucht ein Mann pro Tag seine Partnerin oder Ex-Partnerin umzubringen - im Durchschnitt. 147 Frauen sind bei diesen Versuchen im vergangenen Jahr gestorben.

Angesichts dieser hohen Zahlen haben sich mehrere deutsche Politikerinnen zu Wort gemeldet. Justizministerin Katarina Barley (SPD) beispielsweise schrieb in der "Rhein-Neckar-Zeitung": "Zu wenige von Gewalt betroffene Frauen suchen Hilfe und wenn sie es doch tun, bekommen sie oft zu wenig davon." Dafür sorge unter anderem das "Machtgefälle zwischen Männern und Frauen."

Sechs Millionen Euro für Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen

Annalena Baerbock, Parteichefin der Grünen, forderte mehr Geld zum Schutz von Frauen. Dabei hat sie auch die Situation in Frauenhäusern hierzulande angesprochen. Dort können Frauen Zuflucht suchen, wenn sie zuhause Gewalt erleben. Baerbock kritisierte, dass 4.000 Plätze in Frauenhäusern fehlten.

Dem stimmt auch Familienministerin Franziska Giffey zu. 350 Frauenhäuser seien einfach zu wenig, um der Situation vieler Frauen in Deutschland gerecht zu werden. Giffey kündigte an, 2019 mehr Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen auf den Weg zu bringen - unter anderem durch ein Aktionsprogramm, für das mehr als sechs Millionen Euro eingeplant sein sollen.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Amnesty International veröffentlicht aktuelle Studie

protest
Immer wieder protestieren Frauen gegen häusliche Gewalt - zuletzt in Irland und Hamburg.
© iStockphoto

Pünktlich zum Tag gegen Gewalt an Frauen hat Amnesty International eine schockierende Studie vorgelegt - und zwar zum Thema, wie wir eigentlich Gewalt definieren: In 23 europäischen Ländern ist eine Vergewaltigung nur dann eine, wenn Gewalt im Spiel war. Mehr dazu sehen Sie im Video.

In acht Ländern handelt es sich laut Amnesty International um eine Vergewaltigung, wenn Menschen Sex haben, obwohl einer der Beteiligten "nein" gesagt hat. Darunter sind unter anderem Deutschland, Großbritannien, Zypern, Island und Irland.

Der deutsche Frauenrat fordert noch mehr Einsatz

Auch der deutsche Frauenrat hat sich zum Tag gegen Gewalt an Frauen eingeschaltet. Die Vereinigung forderte die Regierung dazu auf, die sogenannte "Istanbul-Konvention" zügig umzusetzen. Anfang 2018 haben 33 europäische Länder ein bindendes Maßnahmen-Paket beschlossen. Dazu gehöre laut Angaben des Frauenrates auch eine Koordinierungsstelle, die kommunale und regionale Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen bündeln soll.

"Gewalt gegen Frauen ist im gesellschaftlichen Bewusstsein angekommen", sagte Mona Küppers, Vorsitzende des Frauenrates. "Die Bundesregierung hat jetzt die Pflicht, mit den internationalen Standards im Rücken, langfristig Weichen für den Abbau von sexualisierter und häuslicher Gewalt zu stellen."