Internationaler 'Tag des Versuchstiers' - Alle elf Sekunden stirbt ein Tier in deutschen Laboren

24. April 2017 - 19:38 Uhr

Tiere werden für Menschen künstlich krank gemacht

Jedes Jahr machen Tierschutzorganisationen am 24. April, dem 'Tag des Versuchstiers', auf die teils grausamen Experimente an Labortieren aufmerksam: Denn alle elf Sekunden stirbt ein Tier in einem deutschen Versuchslabor. Europaweit passiert dies sogar alle drei Sekunden, so die Tierschutzorganisation Peta. In unzähligen Instituten werden Tiere wie Mäuse, Kaninchen, Hunde und Affen künstlich krank gemacht, um sie als Krankheitsmodelle für den Menschen zu missbrauchen. Mittlerweile gibt es jedoch zahlreiche Alternativen wie computergestützte Untersuchungen, die ohne Tierversuche auskommen.

Knapp 2,8 Millionen Versuchstiere deutschlandweit

Die aktuellsten Zahlen zu Tierversuchen in Deutschland stammen aus einem Bericht des Landwirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2015. Demnach gibt es bundesweit knapp 2,8 Millionen Versuchstiere. Ratten und Mäuse machen mit 80 Prozent den größten Anteil aus. Die Nagetiere werden häufig für die Erforschung von Krebs und Stoffwechselkrankheiten eingesetzt. Da die Gehirne von Affen denen der Menschen recht ähnlich sind, werden diese beispielsweise für Untersuchungen von Depression, Schizophrenie oder Autismus in Laboren gehalten. Dafür werden rund 3.000 Affen und Halbaffen in deutschen Instituten untersucht.

Nachdem das Max-Planck-Institut in Tübingen zuletzt massive Kritik einstecken musste, wurden dort die Versuche an Affen eingestellt. Ein als Pfleger arbeitender Tierschützer hatte 2014 sechs Monate lang die Haltung der Tiere und die Affenversuche heimlich gefilmt. Die Aufnahmen zeigen Rhesusaffen mit Gehirnimplantaten, die zum Teil tagelang fixiert an Stühlen kein Wasser bekommen, damit sie gefügig werden. Institutsleiter Nikos Logothetis, der seine Arbeit künftig mit Nagern fortführen will, betont: "Ich höre nicht wegen der Anfeindungen der Tierschützer auf." Vielmehr habe ihm der Rückhalt aus der Wissenschaft gefehlt.

Alternativmethoden werden zu wenig gefördert

Eine Studie der amerikanischen Food and Drug Administration hat gezeigt, dass 92 Prozent aller Medikamente im klinischen Teil durchfallen, nachdem sie bei Tierversuchen bestanden hatten. Das heißt, die Tiere mussten völlig umsonst leiden.

In Deutschland sind Tierversuche verboten, wenn es alternative Methoden gibt. Bei Tierversuchen muss jeder Wissenschaftler nachweisen, dass er seine Fragestellung nicht anderweitig beantworten kann. Außerdem ist er verpflichtet, den Einsatz von Versuchstieren so weit wie möglich zu begrenzen. Zu den Alternativen zählen zum Beispiel Computersimulationen oder Zell- und Gewebekulturen. Allerdings steigt die Zahl der Versuchstiere in Deutschland trotzdem immer weiter an. Vor 20 Jahren gab es in Deutschland noch 1,5 Millionen Versuchstiere - heute sind es fast doppelt so viele.

"Der Ausstieg aus Tierversuchen und eine Wende hin zu einer modernen, tierversuchsfreien Forschung ist machbar", sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. "Die Bundesregierung ist nun am Zug: Statt Tierversuche weiter zu fördern, müssen Gelder und Ressourcen mit aller Kraft in tierversuchsfreie Forschung fließen. Dies ist auch einer der Aufträge aus der EU-Tierversuchsrichtlinie."

Für den gesamten Alternativmethodenbereich stehen aktuell vier bis fünf Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Demgegenüber steht beispielsweise allein der 24 Millionen teure Neubau des sogenannten "in vivo-Pathophysiologielabors" des Berliner Max-Delbrück-Zentrums, dessen Baukosten zu 90 Prozent vom Bund getragen werden. Auch hier werden vor allem Experimente an Mäusen vorgenommen. Allerdings sind die Versuche an Tieren auch deshalb so teuer, weil die Unterbringen und Haltung der Tiere relativ kostspielig sind.

Pro und Contra Tierversuche

Forscher argumentieren, dass Experimente mit lebenden Tieren dringend notwendig seien, zum Beispiel in der Krebsforschung. Was für Tierversuche spricht und was dagegen, sehen Sie im Video.