Integration in der Praxis: Pflegedienst setzt auf Türkinnen

29. Juni 2011 - 20:58 Uhr

Vorbild für andere Unternehmen

Nare Yesilyurt-Karakurt ist eine wirklich mutige Geschäftsfrau. Die Türkin betreibt einen Pflegedienst in Berlin mit 230 Angestellten. Das Besondere: Viele davon sind junge Türkinnen, die von ihren Familien nach Deutschland verheiratet wurden. Die Unternehmerin hilft ihnen, Deutsch zu lernen und eine Ausbildung zu machen. Das Geschäftsmodell ist ein echter Erfolg

Als Derya Iba vor sechs Jahren zu ihrem jetzigen türkischen Mann nach Berlin geschickt wurde, konnte sie kein Wort deutsch. Doch ihr war sofort klar: Ein abgeschottetes Leben will sie nicht führen. Deshalb bewarb sie sich bei der Firma Detamed und lernte dort auch deutsch.

"Wenn man die Sprache nicht kann, hat man Angst und ist nicht selbstbewusst", so Iba. "Ich bin jetzt selbstständig und nicht abhängig von den anderen. Ich bin noch stärker geworden."

Die Chefin Nare Yesilyurt-Karakurt selbst kam als 4-Jährige nach Berlin. Trotz guter Leistungen wurde sie an die Hauptschule geschickt, musste sich allein nach oben kämpfen. Sie glaubte an sich und bildete sich weiter. Schließlich verwirklichte sie ihren Traum von einem eigenen Pflegedienst.

"Ich hatte oft das Gefühl, man legte mir Steine in den Weg damit ich mich nicht integriere. Das wollte ich anderen Frauen ersparen", sagt sie heute.

Und die Nachfrage nach türkischen Pflegekräften in Deutschland steigt immer weiter. So ist die 44-Jährige doppelt erfolgreich: Sie vermittelt Migranten in den Arbeitsmarkt - und schließt gleichzeitig eine Lücke im Berliner Gesundheitssystem.