"Wurde von meinen Freunden getragen. Und im Auto ist mein Gesicht entglitten."

Influencerin Tamara Schenk (33) kämpft sich nach Schlaganfall zurück ins Leben

Tamara Schenk
Tamara Schenk hat mit nur 32 Jahren einen Schlaganfall erlitten.
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Die junge Unternehmerin und Influencerin Tamara Schenk (33) hatte vor einem halben Jahr einen Schlaganfall . Da war sie gerade mal 32 Jahre alt. Jetzt kämpft sie sich zurück ins Leben und will anderen Betroffenen und deren Angehörigen Mut machen. Und sie sagt: Das vergangene halbe Jahr war nicht die unglücklichste Zeit ihres Lebens.

Während Lunch verliert Tamara Schenk plötzlich die Kontrolle über ihren Körper

Die junge Unternehmerin gründet vor einigen Jahren das Frauen-Netzwerk „Koa“, reist viel. „Ich hatte ein ganz normales Leben“, erzählt Tamara Schenk in einem Video auf Instagram. „Bis etwas passiert ist, das mein Leben für immer verändert hat.“ Die junge Frau bricht immer wieder in Tränen aus. „Zumindest hoffentlich nur für eine Zeit lang, bis ich mein Leben wieder zurückbekomme.“

Es ist der 27. Dezember 2021, Tamara ist in Kapstadt in Südafrika. Als die damals 32-Jährige aufwacht, fühlt sie sich schlecht. „Es waren Kopfschmerzen, aber nicht so normale“, versucht sie sich zu erinnern. Trotzdem geht sie zum verabredeten Lunch mit ihren Freundinnen und Freunden. „Ich habe mir nichts weiter dabei gedacht, dachte das wird schon. Es wurde nicht besser, sondern eher schlechter.“ Dann plötzlich sackt ihre Hand mit der Gabel runter. „Ich fiel langsam zur Seite. Dann sind wir aus dem Restaurant ins Auto. Ich wurde von meinen Freunden getragen. Und im Auto ist mein Gesicht entglitten. Ab da erinnere ich mich nicht, was die nächsten vier Tage passiert ist.“

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Junge Unternehmerin liegt tagelang im Koma

Tamara Schenk
Tamara Schenk bei der Reha. Sie musste alles neu erlernen.
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Sie kommt ins Krankenhaus in Kapstadt. Vier Tage liegt die Unternehmerin im Koma. Dann kommt sie auf die normale Station und startet direkt mit der Reha, „so dass der Körper nicht vergisst, wie die Abhandlungen von Bewegungen gehen.“

Doch nur zwei Tage später, landet sie wieder in der Notaufnahme, erzählt sie. „Weil mein Gehirn angeschwollen ist. Und die Frage war, ob die Ärzte den Kopf aufmachen, damit der Druck entlassen wird. Das ist gefährlich, weil man daran sterben kann.“ Vier Tage muss sie erneut in einem Koma-artigen Zustand verbringen.

„Dadurch, dass es das zweite Mal passiert ist, hatten die Ärzte Angst, mich in die Reha zu lassen. Drei Wochen war ich dann auf der normalen Station und zwar sitzend. Ich musste die ganze Zeit sitzen. Ich durfte einmal am Tag eine Stunde Besuch haben.“ Ablenkung hat die junge Frau kaum, sie darf und kann ihr Handy nicht benutzen.

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Schwerer Schlaganfall: "Ich hatte Glück im Unglück"

Bei dem Schlaganfall ist eine Arterie kaputt gegangen, Blut ist ins Gehirn gelaufen. „Leider war der Schlaganfall kein kleiner, kein mittlerer, sondern ein großer. Ich hatte Glück im Unglück. Es wurden keine Wege zerstört, das bedeutet ich hatte die Möglichkeit, das Laufen wieder zu lernen, das Sprechen – man hat mich überhaupt nicht verstanden.“

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Tamara Schenk: "Leben hat sich komplett verändert"

„Das ist so absurd“, erinnert sich Tamara an ihre Gedanken nach einigen Wochen im südafrikanischen Krankenhaus. „Noch vor einem Monat hast du Sport gemacht, bist durch die Weltgeschichte gereist, hast coole Sachen gemacht. Plötzlich liegst du in diesem Krankenbett und verstehst nicht, wie schnell sich dein Leben komplett verändert. Komplett, um 180 Grad.“

Die ganze rechte Seite der jungen Frau ist gelähmt, sie ist zeitweise erblindet, hat eine Aphasie – die Schwierigkeit Wörter zu finden und auszusprechen. „Wenn ein Mensch einen Schlaganfall bekommt, wird ihm die Möglichkeit genommen, selbstständig zu sein, was einem Erwachsenen sehr aufs Gemüt geht. Ich habe durch diese Hilflosigkeit solche Ängste entwickelt.“

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Mutter schläft auf Boden vor Toilette - "weil sie Angst hatte, mich alleine zu lassen"

Tamara Schenk
Die Unternehmerin bei einer Preisverleihung - das war 2018.
Anita Bugge/Geisler-Fotopress, Foto: Geisler-Fotopress/Bugge

Nach etwa einem Monat im südafrischanischen Krankenhaus ist Tamara zurück nach Hannover geflogen. Dort bleibt sie insgesamt zweieinhalb Monate, macht acht bis neun Stunden Reha-Training am Tag.

Ihr Freund und ihre Mama sind ihr in dieser Zeit eine riesengroße Unterstützung. Ihr Freund hat ihr „Leben komplett übernommen“, mit allen Menschen für sie kommuniziert, nichts von außen an sie herangelassen. „Meine Mama hat teilweise auf dem Boden vor der Toilette geschlafen, weil sie Angst hatte, mich alleine zu lassen. Weil sie Angst hatte, dass ich Angst bekomme,“ erzählt sie unter Tränen. „Ich war so hilflos. Ich konnte nicht aufstehen. Stellt euch mal vor, eure Mutter sieht euch so.“

So wie ihr Freund und ihre Mutter mit ihr umgegangen sind – das rät sie allen anderen Angehörigen von Schlaganfallpatientinnen und -patienten, „die auch in diesem dunklen Loch sind und nicht wissen, was sie machen wollen.“ Sie sollten darauf achten, dass Betroffene keine Kommunikation nach Außen haben, für eine sehr lange Zeit nur die engsten Leute um sich haben und immer positiv gegenüber dem oder der Betroffenen sind. Das habe Tamara sehr geholfen. „Ich habe nicht eine Sekunde daran gezweifelt, dass ich laufen kann, dass ich sprechen werde. Die haben mich teilweise nicht verstanden und haben aber gesagt: ‘Wow, du hast einen guten Tag gehabt.’“

"Das war das schwerste halbe Jahr meines Lebens, aber nicht das unglücklichste"

„So schlimm die Zeit war, so anstrengend und so scheiße, war sie auch schön“, erzählt sie in ihrem Instagram-Video. „Ich habe sie mir schön gemacht. Das war schwer, aber man muss auch in jedem eine Schönheit sehen, sonst gehst du einfach unter.“ Durch die Menschen an ihrer Seite blickt sie dankbar auf die vergangenen Monate zurück. „Das war das schwerste halbe Jahr meines Lebens, aber nicht das unglücklichste. Das ist so absurd.“

Tamara kämpft sich in Berlin weiter zurück ins Leben

Nach zweieinhalb Monaten im Krankenhaus in Hannover, hat Tamara ihre Reha in der Schweiz fortgeführt – um eine andere Umgebung zu haben. „Du wirst müde, wenn du jeden Tag den gleichen Ablauf hast. Ich muss hier einfach raus, ich dachte, ich werde verrückt.“

Inzwischen wohnt die 33-Jährige in Berlin, kämpft sich dort weiter zurück ins Leben. Geht weiterhin zur Reha, zur Physiotherapie, zum Sprach- und Schreibtraining und zur Neuropsychologie.

Mit ihren Videos auf Instagram will die junge Frau andere Betroffene unterstützen. „Wenn ich jemandem helfen kann und Mut machen kann, dann gibt mir das auch Kraft.“ Denn sie selbst hätte nicht gedacht, dass sie so stark ist, sagt sie. „Leute, ihr seid stärker als ihr denkt. Ihr könnt mehr, als ihr denkt. Nicht aufgeben!“ (sli)