Wenn's zu sehr schmerzt

Indische Firma schenkt Frauen 10 Tage Menstruationsurlaub

Manchmal sind die Schmerzen während der Periode so schlimm, dass man unmöglich arbeiten gehen kann. In Indien dürfen Mitarbeiterinnen einer Firma in solchen Fällen künftig freinehmen (Symbolbild).
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14. August 2020 - 11:15 Uhr

Urlaub bei Regelschmerzen

Die Laune geht in den Keller, die Emotionen kochen hoch und der gesamte Unterleib schmerzt: Menstruationsschmerzen sind oft schlimmer als jeder Schnupfen – und nicht selten würde man sich am liebsten krankmelden. In einer Firma in Indien ist das jetzt möglich. Bei starken Menstruationsschmerzen können Arbeitnehmende des indischen Essenslieferdienstes Zomato künftig bis zu zehn Tage im Jahr bezahlt freinehmen.

Periode immer noch Tabu in Indien

Die Ankündigung des Zomato-Firmenchefs löste in Indien eine Debatte in den sozialen Netzwerken aus. In dem Land ist die Periode ein großes Tabu-Thema, Frauen gelten während ihrer Blutung als unrein und sollen dann beispielsweise keine Tempel betreten oder bestimmtes Essen berühren.

Chef will Tabu brechen

Der Firmenchef schrieb in einer kürzlich veröffentlichten Mitteilung, Periodenurlaub zu nehmen, sollte nicht mit Scham oder Stigma behaftet sein. Darum wendete er sich mit diesen Worten an seine Mitarbeiterinnen:

"Wie oft mussten Sie schon eine Nachricht an Ihr Team senden, in der Sie sagten: 'Mir geht es heute nicht gut - nehme mir den Tag frei' und besorgte Fragen zu Ihrer Gesundheit mit einer schwachen 'Magenverstimmung/Schwäche usw.' beantworten mussten, obwohl Sie eigentlich sagen wollten: 'Ich habe meine Periode, schreckliche Krämpfe - brauche ein Heizkissen, etwas Schokolade und viel grünen Tee (oder etwas Stärkeres), also nehme ich mir den Tag frei'?"

Das soll nun ein Ende haben: "Man sollte Menschen in internen Gruppen oder E-Mails einfach sagen können, dass man gerade einen Tag Periodenurlaub nimmt." Pro Zyklus können Frauen und Transgender in dem Unternehmen darum jeweils einen Tag freinehmen - und das zehn Mal im Jahr.

Der Menstruationsurlaub soll den Mitarbeiterinnen die Möglichkeit geben, sich – ohne sich rechtfertigen zu müssen – auf sich selbst konzentrieren zu können: "Kümmern Sie sich um sich selbst - die regelmäßige Konzentration auf Fitness und Ernährung wirkt sich positiv auf jedes bisschen Ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit aus."

Die Ankündigung hat zu viel Diskussion in den sozialen Netzwerken geführt. "Heute können einige Periodenurlaub wohl nicht richtig verstehen, genauso wie viele mal gegen Mutterschutzurlaub protestiert hatten", schrieb Angellica Aribam, die Gründerin einer indischen Organisation, die Frauen in der Politik fördert, auf Twitter. "Aber eines Tages wird das normal sein."

Die indische Journalistin und "Washington Post"-Kommentar-Schreiberin Barkha Dutt hielt dagegen. Sie findet: "Wir können nicht der Infanterie beitreten, über Krieg berichten, Kampfflugzeuge fliegen, in den Weltraum gehen, keinen Exzeptionalismus wollen und Periodenurlaub wollen."

Hinweis an alle männlichen Mitarbeiter

Für die männlichen Kollegen hatte der Chef von Zomato übrigens auch noch einen Hinweis:

"Unsere weiblichen Kollegen, die sagen, dass sie ihre Periode haben, sollten uns nicht unangenehm sein. Das ist ein Teil des Lebens, und obwohl wir nicht ganz verstehen, was Frauen durchmachen, müssen wir ihnen vertrauen, wenn sie sagen, dass sie sich ausruhen müssen. Ich weiß, dass Menstruationskrämpfe für viele Frauen sehr schmerzhaft sind - und wir müssen sie dabei unterstützen, wenn wir bei Zomato eine wirklich gemeinschaftliche Kultur aufbauen wollen."

Menstruationsurlaub auch bei uns?

Übrigens: Menstruationsurlaub ist in vielen asiatischen Ländern nichts Neues. In Japan wurde 1947 ein Arbeitsgesetz eingeführt, das Frauen freie Tage während ihrer Periode gewährt. Ob diese Tage bezahlt sind oder nicht, bleibt den jeweiligen Arbeitgebern überlassen. Auch in Indonesien dürfen Frauen zwei freie Tage pro Periode nehmen, in Taiwan haben sie ein Recht auf drei und in Südkorea kann man sich die Tage sogar auszahlen lassen, wenn sie nicht genommen werden.

Ob es den Menstruationsurlaub auch in Deutschland geben wird, ist eher unwahrscheinlich, wie Arbeitsrechtler Dietmar Olsen erklärt. "Ich halte es für schwierig, weil man auch an eine Diskriminierung von Männern denken könnte." Bei solchen Leistungen entscheide der Europäische Gerichtshof laut des Experten sehr streng.

Periode verkürzen - so geht's

Bis es die Periodenferien auch bei uns gibt, bleibt uns also wohl nur folgendes: aushalten und auf altbewährte Tricks zurückgreifen. Oder: die Periode ganz einfach verkürzen. Wie das funktioniert, erklären wir hier und im Video.

Quelle: DPA/RTL.de