11. Mai 2018 - 20:02 Uhr

Wilde Gerüchte stacheln wütenden Mob an

Diese Geschichte ist ein erschreckendes Beispiel: Einerseits für die Leichtgläubigkeit von Social-Media-Nutzern und andererseits für die Gewalt, die eine Gruppe wütender Menschen ausüben kann. Im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu haben über 60 Personen auf eine 65-Jährige und drei Verwandte eingeprügelt. Sie hielten die vier für Kidnapper - Schuld ist ein Gerücht, wonach Kindesentführer die Region unsicher machen. Die Frau starb an ihren Verletzungen.

Frau gab Kindern Schokolade

Die Frau war mit ihren drei Begleitern im Auto unterwegs. In einem Dorf hielten sie an, um nach dem Weg zu fragen. Dorfbewohner beobachteten die 65-Jährige, wie sie einer Gruppe von Kindern Schokolade schenkte. Dann geschah das Unvorstellbare für die Familie: Sie wurde wie aus dem Nichts von einem wütenden Mob angegriffen. Wie entfesselt prügelten und traten die Dorfbewohner auf die vier ein, die Frau starb noch vor Ort an ihren schweren Verletzungen. Es gebe 62 Verdächtige, von denen 23 festgenommen worden seien, teilte die Polizei mit.

Unter den Bewohnern der südindischen Region hält sich wohl seit längerem ein hartnäckiges Gerücht. Demnach sollen Kindesentführer im Bundesstaat Tamil Nadu ihr Unwesen treiben. Über WhatsApp verbreiten sich solche Geschichten weiter. Konkrete Fälle sind der Polizei zwar nicht bekannt, doch dem wütenden Mob reichten die Gerüchte, um vier unschuldige Menschen zu attackieren. Bereits im vergangenen Jahr wurden im Bundesstaat Jharkhand sechs Menschen wegen eines Gerüchts über Kindesentführungen getötet.

Quelle: DPA / RTL.de