23-Jährige kämpft im Krankenhaus um ihr Leben

Indien: Frau wird auf dem Weg zum Prozess von ihren Vergewaltigern angezündet

6. Dezember 2019 - 17:59 Uhr

Vergewaltigungsopfer wollte zum Gericht fahren

Sie wollte morgens zum Bahnhof, jetzt kämpft sie um ihr Leben: In Indien wurde eine junge Frau von einer Gruppe Männer überfallen. Die Männer zerrten die sie in ein nahegelegenes Feld, übergossen sie mit brennbarer Flüssigkeit und zündeten sie an, wie "India Today" berichtete. Die 23-Jährige aus Unnao im Bundesstaat Uttar Pradesh war auf dem Weg, um vor Gericht gegen eine Gruppe Männer auszusagen, die sie im März vergewaltigt hatten. Offenbar waren sie es auch, die die Frau nun wieder angriffen.

90 Prozent ihrer Haut sind verbrannt

Laut "India Today" lief die Frau los, als sie plötzlich lichterloh in Flammen stand. Sie sei eine ganze Weile gerannt, bevor Zeugen sie gesehen hätten. Sie wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo sie nun um ihr Leben kämpft. 90 Prozent ihrer Haut seien verbrannt, sagten die behandelnden Ärzte den lokalen Medien. Die 23-Jährige ist bei Bewusstsein und schaffte es sogar noch, gegen die Männer, die ihr das angetan haben, auszusagen.

Die Ärzte bemühen sich, mit Medikamenten die Situation für ihre Patientin so erträglich wie möglich zu machen. "Die Überlebende ist wegen der starken Schmerzen in einem ruhelosen Zustand", zitierte die "Times of India" den zuständigen Chirurgen Dr. Pradeep Tiwari "Die nächsten 48 bis 72 Stunden werden entscheidend sein, ob sie überlebt."

Zwei der Angreifer vergewaltigten die 23-Jährige im März

Proteste gegen Vergewaltigungen in Indien
Mit Kerzen protestieren Frauen und Mädchen in Indien gegen sexuelle Gewalt.
© dpa, Mahesh Kumar A, pil

Die Frau hatte eigentlich um 16 Uhr (Ortszeit) einen Gerichtstermin im etwa 114 Kilometer entfernten Raebareli. Denn im März wurde sie in ihrem Dorf vergewaltigt und sollte nun vor Gericht gegen die Täter aussagen. Das wollten die Vergewaltiger aber offenbar verhindern.

Die 23-Jährige wurde auf dem Weg zum Prozess von fünf Männern angegriffen. Zwei davon seien auch schon bei der Attacke im März dabei gewesen, sagte die Schwerverletzte der Polizei. Offenbar waren die Männer gegen eine Kaution auf freiem Fuß. Nach dem Brandanschlag wurden sie und drei weitere Verdächtigen festgenommen. Die Polizei eröffnete eine Mordermittlung.

Große Wut über den Brandanschlag auf die Frau in Unnao

Unter dem Hashtag #unnao machten Hunderte ihrer Wut Luft. "Nichts hat sich verändert. Schon wieder brannte ein Vergewaltigungsopfer bei lebendigem Leibe", twitterte eine Userin. "Wie viele noch, bevor wir endlich aufwachen und unsere Gesellschaft schützen?", fragte ein anderer User. "Ich fühle mich so wütend und hilflos, wenn ich von dem Vorfall in Unnao lese. Ich bete für die die Gesundheit des Mädchens, hoffentlich geht es ihr bald besser."

In Indien gibt es immer wieder erschreckende Fälle von sexueller Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Erst im November machte der Mord an einer 27-jährigen Tierärztin aus Hyderabad Schlagzeilen. Sie wurde von mehreren Männern vergewaltigt und getötet. Passanten entdeckten die verkohlte Leiche der Frau. Die Polizei hat inzwischen vier Männer zwischen 20 und 30 Jahren festgenommen, die für die Tat verantwortlich sein sollen.