2016 M03 6 - 11:46 Uhr

Geldanlage ohne hochbezahlten Fondmanager

Jeder weiß, das Geld im Alter wird knapp. Aber wie sorgt man am besten vor? Das Geld zu Minizinsen auf die Bank legen? Beim aktuellen Zinsniveau – und das wird sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern – ist das sicher keine Alternative.

Indexfonds: So können Sie auch mit 40 noch fürs Alter vorsorgen
Das heimische Sparschwein bringt keine Rendite: Geschickt angelegt arbeitet das Geld automatisch weiter.

Langfristig gesehen ist eine breit gestreute Anlage in Aktien eine rentable und gleichzeitig solide Anlageform. Das beweist ein Blick in die Geschichte: Wer in den vergangenen 100 Jahren Aktien von internationalen Unternehmen besessen hat, hat durchschnittlich pro Jahr zwischen sieben und acht Prozent verdient und zudem Wirtschaftskrisen, Kriege und Währungsreformen – trotz vorübergehender Kurseinbrüche – unbeschadet überstanden.

Die Berührungsängste mit dem Thema Aktien sind überwiegend unbegründet. Das Zauberwort heißt Exchange Traded Fund (ETF) – oder auch Indexfonds genannt. Ein Indexfonds ist ein optimales Instrument, um auch als Laie an den Erfolgen des Aktienmarktes teilhaben zu können.

Das Schöne daran: Für das simple Nachbilden des Index braucht es keine hochbezahlten Fondsmanager. Die Kosten sind gering. So gut wie nichts von der erwirtschafteten Rendite wandert also in fremde Taschen. Der Finanz-Experte Sebastian Tonn zeigt in drei Schritten, wie einfach jeder seine Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen kann:

Sparplan für die persönliche Altersvorsorge in drei Schritten

Schritt 1: Depot eröffnen

Um regelmäßig mit einem Indexfonds für später vorzusorgen, eröffnet man zunächst ein Depot – am besten kostengünstig bei einer Direktbank. Für dieses richtet man einen sogenannten Sparplan ein. Dieser Sparplan investiert automatisch Monat für Monat einen einmal festgelegten Betrag in den jeweiligen Indexfonds. Das Besparen eines Indexfonds wird als Vorsorgealternative vom Bank- bzw. Versicherungsberater nur selten vorgeschlagen. Das hat vor allem einen Grund: Der Berater verdient daran so gut wie nichts. Es gibt kein großes Potenzial für Provisionen. Indexfonds kauft man ohne Ausgabeaufschlag, die jährlichen Gebühren sind sehr gering.

Schritt 2: Sparplan einrichten

Regelmäßig über einen festen Sparplan zu investieren birgt einen großen Vorteil: Man muss sich nicht ständig den Kopf darüber zerbrechen, ob gerade jetzt ein guter Zeitpunkt ist, um zu kaufen. Das macht der Sparplan ganz automatisch. In guten (teuren) Zeiten kauft er weniger Anteile, in schlechten (billigen) Zeiten mehr Anteile des Indexfonds. Vorsicht mit den Kosten: Pro Ausführung zahlt man sogenannte Ordergebühren. Diese unterscheiden sich von Bank zu Bank teilweise deutlich.

Schritt 3: Rechtzeitig aussteigen

Selbstverständlich: Aktienmärkte können teilweise stark schwanken. Auch ein Indexfonds auf einen Aktienindex muss – will man solide vorsorgen – immer mittel- bis langfristig betrachtet werden (10-15 Jahre). Dazu gehört, dass man – je näher man dem eigenen Ruhestand kommt – den "Einstieg in den Ausstieg" vornimmt, also Stück für Stück Anteile am Indexfonds verkauft und z.B. aufs Tagesgeldkonto legt. So geht man sicher, dass man später immer liquide bleibt – auch wenn die Aktienmärkte gerade am Boden liegen, wenn man in Rente geht.

Im Gegensatz zu Indexfonds haben Lebensversicherung, private Rentenversicherungen und die Riester-Rente einen entscheidenden Nachteil: Hier verdienen in den meisten Fällen vor allem der Berater, der sie verkauft hat und die Institution, die dahinter steht. Die Kosten sind dadurch hoch, die Renditen oftmals schlecht.

Auf die Flexibilität achten

Die langen Laufzeiten und starren Verträge dieser Versicherungsprodukte passen in vielen Fällen nicht mehr zu den heutigen Lebensentwürfen. Schließt man zum Beispiel als junger angestellter Single eine Riester-Police ab, gibt es vor allem ein Argument, welches vom Berater immer wieder in den Vordergrund gerückt wird: Der Steuervorteil! Nämlich die Tatsache, dass die Beiträge bis zu einem gewissen Maß von der Steuer abzusetzen sind und erst die Auszahlungen im Rentenalter versteuert werden müssen. Ändert sich jedoch der eigene Beschäftigungsstatus, sieht das auf einmal ganz anders aus. Macht man sich nach einigen Jahren z.B. selbständig, sind die Beiträge im Regelfall nicht mehr absetzbar.

Dass diese Vorsorgemodelle nicht mehr viel mit der Lebenswirklichkeit zu tun haben, zeigt alleine schon die Tatsache, dass ein Großteil der Verträge vor dem eigentlichen Laufzeitende gekündigt wird. Den Anbieter freut es: Die hohen Gebühren, die hat er nämlich in den meisten Fällen schon in den ersten Beitragsjahren kassiert.

Und das ist ein weiterer Vorteil beim Vorsorgen mit Indexfonds: Man hat jederzeit Zugriff auf das angesparte Kapital und kann – wenn man dies möchte – von heute auf morgen alle Anteile verkaufen. Das sollte man natürlich nicht tun, wenn die Börsenkurse gerade am Boden liegen.