Elektro-Revolution made in Sachsen

In Zwickau entsteht Europas größte E-Auto-Produktionsstätte

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14. August 2019 - 7:44 Uhr

Aus Zwickau berichtet RTL-Reporter Philip Scupin

VW rüstet sein Werk in Zwickau zu Europas größtem E-Auto-Standort um. Nicht ein Arbeitsplatz soll wegfallen. Geht das?

VW setzt voll auf Elektromobilität

Ein Mann inmitten einer Roboter-Armee: Heiko Rösch steht in der riesigen Halle 2 des VW-Werks in Zwickau - und erklärt mir, warum er gerne von 1.650 Robotern umgeben ist. Ja, er sei zwar ein Kind des Verbrennungsmotors, aber nein, er sei überhaupt nicht traurig, dass es damit hier jetzt zu Ende geht: "Ich freue mich eher, dass wir hier die Zukunft annehmen." Eine Zukunft, in der Roboter eine ziemlich große Rolle spielen. Röschs Beispiel zeigt: VW setzt voll auf Elektromobilität und legt Wert darauf, dass das im eigenen Hause auch alle gut finden.

Hier entsteht Europas größte E-Auto-Produktionsstätte

Heiko Rösch ist seit 27 Jahren bei VW in Sachsen. Als Leiter des Karosseriebaus ist er hier schon länger wichtig - doch seit spätestens Ende 2018 steht er an der Spitze eines Wandels, der den Standort hier im Mark erschüttert: Im laufenden Betrieb wird innerhalb von nicht einmal zwei Jahren aus einem Werk für Autos mit Verbrennungsmotor Europas größte E-Auto-Produktionsstätte.

Rösch ist immer noch Chef im "Karo-Bau", wie sie hier sagen - doch von heute auf morgen werkeln seine Mitarbeiter an einem ganz anderen Produkt. "Das ist eine große Herausforderung, hier alle auf dem neuen Weg mitzunehmen", gibt Rösch zu, als wir uns die Karosserie des neuen "ID.3" anschauen. Nicht jeder in Zwickau findet es toll, dass er oder sie nicht mehr am Fließband steht und Türen einsetzt oder Cockpits verschraubt - sondern stattdessen einen Roboter überwacht, der dasselbe tut.

8.000 Arbeitsplätze sollen erhalten werden

In Zwickau will Volkswagen alle Arbeitsplätze erhalten.
In Zwickau will Volkswagen alle Arbeitsplätze erhalten.
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Viel E-Mobilität heißt viel Automatisation. Dazu kommt: E-Autos haben deutlich weniger Teile als Verbrenner - weniger Arbeit ist also zu tun. Und trotzdem plant VW, in Zwickau jeden einzelnen der 8.000 Arbeitsplätze zu erhalten. Wie das gehen soll? Im Werk werden künftig sechs statt bisher zwei VW-Modelle gefertigt - und bis zu 1.500 statt 1.350 Fahrzeuge pro Tag. Das Wichtigste aber: Neue Aufgaben für dieselben Menschen. Allein 100 Karosseriebauer werden zu Anlagenfahrern umgeschult. Sie können dann zum Beispiel Roboter bedienen. Viele weitere Qualifizierungs-Maßnahmen kommen dazu.

Nicht jeder hat auf den Wandel Lust

Doch das bringt alles nichts, solange die Mitarbeiter keine Lust auf die große Revolution haben. Und hier kommt Ricardo Schönherr ins Spiel. Ihn treffe ich im Schulungszentrum. VW hat es extra aufgebaut, um gegen die hauseigenen Zweifel anzuarbeiten. Schönherr zeigt mir, was hier alle 8.000 Mitarbeiter einmal mitmachen: Das Unternehmen hat sich einen eigenen Escape Room gebaut. Die Kollegen sollen Firmendaten in die richtige Reihenfolge bringen, um den Schlüssel zum nächsten Raum zu bekommen. Danach müssen sie so viele Batteriemodule zusammenstecken, dass ein E-Auto 380 Kilometer Reichweite schaffen würde.

Zwei Türen weiter hat ein Mitarbeiter eine Virtual-Reality-Brille auf und lenkt mit zwei Controllern sein eigenes Ich. In der Brille sieht er eine Art 3D-Modell seines zukünftigen Arbeitsplatzes: Die Karosserie des "ID.3", des ersten vollelektrischen Volkswagens. Alles ganz schön fancy. "Mit Vorträgen und Power-Point-Präsentationen schaffst du das heute nicht mehr", sagt Schönherr und meint: Die Mitarbeiter auf die neue Welt in Zwickau einschwören - Lust machen, dabei zu sein. Ob das am Ende klappt? Schwer einzuschätzen.

Ob sich das E-Auto durchsetzt - ist fraglich

Es wird auch davon abhängen, ob E-Autos sich wirklich so durchsetzen, wie VW glaubt oder zumindest hofft. Noch mangelt es ja an vielem: Zu teuer, zu wenig Ladestationen, zu geringe Reichweite. Kann ja alles noch werden. Für den Moment aber sind sie sogar in Zwickau noch vorsichtig. "Zu beruflichen Terminen in Wolfsburg fahre ich lieber noch mit meinem normalen Golf", sagt mir einer aus der Geschäftsführung. Der E-Golf aus dem Fuhrpark könnte auf den 309 Kilometern mit leerer Batterie liegen bleiben...