In Syrien droht eine Hungersnot – Ban ruft zu Versöhnung während des Ramadans auf

Die syrische Stadt Aleppo ist seit fast einem Jahr umkämpft.
Die syrische Stadt Aleppo ist seit fast einem Jahr umkämpft.
© REUTERS, MUZAFFAR SALMAN

09. Juli 2013 - 21:34 Uhr

Rebellen streiten über Zulässigkeit der Aleppo-Blockade

In Syrien tobt der Bürgerkrieg – auch wenn die Welt wegen der Ereignisse in Ägypten momentan davon kaum etwas erfährt. Der Krieg hat die Versorgungslage in vielen Städten so dramatisch verschlechtert, dass eine Hungersnot droht. Betroffen vor allem: Aleppo, die größte Stadt des Landes und eines der Hauptzentren der Kämpfe zwischen Rebellen und den Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad.

In den von der syrischen Regierung gehaltenen Vierteln von Aleppo droht wegen einer Blockade der Rebellen eine regelrechte Hungersnot. Oppositionelle berichteten von einer sich schnell verschlechternden Versorgungslage unter den zwei Millionen Menschen im Westteil der Stadt. Unter den Gegnern von al-Assad ist das Vorgehen umstritten: Einige sprechen von einem Verbrechen, andere von einer unvermeidbaren Konsequenz aus dem Bürgerkrieg.

Aleppo ist seit fast einem Jahr umkämpft. Ein Teil der Metropole wird von der Armee kontrolliert, der andere Teil von den Rebellen. Bislang hatten die Rebellen eine der in den Westteil Aleppos führenden Straßen offen gehalten, um die Versorgung der Bewohner sicherzustellen. Seit kurzem blockieren sie auch diese Verbindung, so dass dort die Nahrungsmittel knapp werden.

"Das ist ein Verbrechen", verurteilte einer der Rebellen die Blockade. Die Lebensmittelpreise in den abgeriegelten Stadtvierteln explodierten ins Unermessliche. Ein anderer Aufständischer sagte, das Abschnüren des Westteils von Aleppo sei nicht geplant gewesen, sondern eine unglückliche Folge der Kämpfe mit den Regierungstruppen. "Das Regime hat genug zu essen für seine Kämpfer, aber es schickt die eigene Bevölkerung zum Teufel."

Russland wirft Rebellen Einsatz von Giftgas vor

Einige Rebellengruppen setzen zunehmend darauf, in den von der Regierung kontrollierten Gebieten militärisch Druck auf die Zivilbevölkerung auszuüben. Einer ihrer Kommandeure an der Mittelmeerküste forderte den Beschuss von Wohngebieten, um den Druck auf Assad zu erhöhen. Angesichts der täglichen Luft- und Artillerieangriffe der Assad-Truppen sei das gerechtfertigt.

Russland warf den Rebellen den Einsatz von chemischen Waffen vor. Die Untersuchung von Granaten, die am 19. März in der Nähe von Aleppo abgefeuert worden seien, habe das Nervengas Sarin zutage gefördert, teilte die russische Vertretung bei den UN in New York mit. Das Gift sei wahrscheinlich von den Aufständischen eingesetzt worden. Regierung und Rebellen werfen einander vor, Giftgas einzusetzen und bestreiten den Gebrauch durch eigene Kräfte.

Zum Ramadan appellierte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon an die Bürgerkriegsparteien, zumindest während des Fastenmonats die Waffen zu schweigen zu lassen. "Ich bitte jede Militäreinheit der regulären Armee sowie der Freien Syrischen Armee und jeden, der eine Waffe trägt, den Kampf einzustellen und seinem Volk diesen Monat des Friedens als gemeinsames Geschenk zu machen", sagte Ban. Zugleich forderte er die Kriegsparteien auf, ihre Gefangenen freizulassen. Der Fastenmonat begann am Dienstag. Seit Beginn des Aufstandes gegen Assad im März 2011 wurden mehr als 100.000 Menschen getötet. Ob das Töten im Fastenmonat aufhören wird, darf bezweifelt werden.