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In München läuft‘s nicht: Das sind die vier Bayern-Baustellen

Sport Bilder des Tages Fussball Berlin 20.10.2018 Saison 2018 / 2018 1. Bundesliga / DFL VFL Wolfsburg - FC Bayern München Uli Hoeneß Karl-Heinz Rummenigge li. Gemäß den Vorgaben der DFL Deutsche Fußball Liga ist es untersagt, in dem Stadion und/oder
Die Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Uli Hoeneß planen den Umbruch ihres Clubs © imago/Camera 4, Tilo Wiedensohler, imago sportfotodienst

Von Jonas Klee

Für den FC Bayern war die 2:3-Pleite im deutschen "Clasico" bei Borussia Dortmund ein herber Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft. Sieben Punkte beträgt der Rückstand auf den BVB. Bei den Münchnern läuft es in dieser Saison aber mal so gar nicht.

Ja, im DFB-Pokal und in der Champions League ist die Mannschaft von Trainer Niko Kovac eine Runde weiter. Und auch in der Liga ist das Meisterschaftsrennen noch längst nicht entschieden. Aber: Überzeugt haben die Bayern in dieser Spielzeit nur selten. Bei der Niederlage in Dortmund zeigte der deutsche Rekordmeister ironischerweise die beste Saisonleistung. Ein deutliches Zeichen, dass beim FCB der Wurm drin ist. Gleich an vier Baustellen müssen die Münchner arbeiten.

Baustelle Nummer 1: Der Umbruch

Die größte Baustelle wurde im Spitzenspiel gegen den BVB überdeutlich. Der FCB hat den Umbruch der Mannschaft im Sommer verschlafen. Gegen Dortmund spielten die Bayern mit fünf Ü30-Profis in der Startelf. Auch Mats Hummels und Thomas Müller kratzen schon an der 30, Arjen Robben, Rafinha und Sandro Wagner haben die schön längst überschritten. Dass der Serienmeister eine Blutauffrischung benötigt, zeigte sich im rasanten Spitzenduell mit dem BVB. Auch wenn Bayern-Boss Uli Hoeneß findet: "Das mit dem Alter, das ist alles Käse." Spätestens nach der Saison müssen die Bayern wohl an ihr Festgeldkonto: "Wir haben so viel Geld in der Kasse wie nie zuvor", hatte Hoeneß unlängst gesagt.

Zudem bestätigte er: "Wir werden nächstes Jahr, wenn der zweite Schritt des Umbruchs kommt, sicherlich das Mannschaftsgesicht ziemlich verändern." Schon jetzt bastelt der FCB auf Hochtouren am Kader für die neue Saison. Was der erste Schritt des Umbruchs gewesen sein soll, behielt Hoeneß wohl für sich.

Baustelle Nummer 2: Die Nachfolger-Regelung

Dortmund, 10.11.2018 Trauriger Abgang der Bayern Bosse: u.a. Präsident Uli Hoeneß (FCB) und Karl-Heinz Rummenigge Borussia Dortmund - FC Bayern München *** Dortmund 10 11 2018 Sad departure of Bayern bosses including President Uli Hoeneß FCB and Karl
Trauriger Abgang der Bayern-Bosse nach der Niederlage bei Borussia Dortmund © imago/Moritz Müller, Moritz MŸller, imago sportfotodienst

Nicht nur über die Nachfolge von Robben, Ribéry & Co. macht sich Hoeneß Gedanken – sondern auch um seine eigene. Im November 2019 endet seine Amtszeit als Bayern-Präsident. "Ich bin jetzt 66 Jahre alt. Lassen Sie mich diesen Job noch zwei, drei Jahre machen", sagte Hoeneß zuletzt. Aber wer wird sein Nachfolger? "Er sollte jemand sein, der eine menschliche Seite hat – und einer, der aus dem Fußball kommt. Wir müssen die eierlegende Wollmilchsau suchen. Das wird schwer. Wenn ich wüsste, der oder der kann das, würde ich nächstes Jahr aufhören." Heißt: Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.

Auch mit einem Abschied von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat sich Hoeneß bereits beschäftigt. Zusammen mit dem 63-Jährigen will er seinen Posten aber nicht räumen: "Es geht nicht, dass wir beide gleichzeitig aufhören. Das können wir dem Verein nicht antun." Eine geordnete Übergabe des "Familien-Unternehmens" FC Bayern sieht anders aus.

Baustelle Nummer 3: Klare Rollenverteilung

GER, BBL, FC Bayern Muenchen vs. EWE Baskets Oldenburg / 11.11.2018, Audi Dome, Muenchen, GER, BBL, FC Bayern Muenchen vs. EWE Baskets Oldenburg, im Bild Hasan Salihamidzic (Sportdirektor FCB) *** GER BBL FC Bayern Muenchen vs. EWE Baskets Oldenburg
Hasan Salihamidzic wirkt in seiner Rolle als Sportdirektor nicht gerade wie der starke Mann des FC Bayern © imago/Nordphoto, nordphoto / Straubmeier, imago sportfotodienst

Eines scheint sicher: Hasan Salihamidzic wird die Nachfolge der Bayern-Bosse nicht antreten. Seit mehr als einem Jahr ist er Sportdirektor beim FC Bayern. Und seit der legendären Pressekonferenz ist auch die Debatte um den vermeintlichen Nebendarsteller intensiver geworden. Der ehemalige Bayern-Profi gilt als Spielball zwischen Hoeneß und Rummenigge. Salihamidzic betonte zuletzt zwar: "Meine Position ist genau wie am Anfang: sehr stark." Doch während Hoeneß als Bayern-Manager früher wortgewaltig die "Abteilung Attacke" führte, und Matthias Sammer als Sportvorstand den unbequemen "Motzki" gab, konnte Salihamidzic sein Profil noch nicht schärfen.

Zumindest nach außen sind die Bayern noch auf der Suche nach einer klaren Rollenverteilung. Klar ist: Auf der Position des Managers brauchen die Münchner einen starken (bzw. stärkeren) Mann.

Baustelle Nummer 4: Klare Aussagen

Nicht nur mit der Außendarstellung des Sportdirektors dürften die Bayern momentan nicht glücklich sein. Auch Hoeneß und Rummenigge gaben bei ihrer irren PK ein schwaches Bild ab. Die Bayern-Bosse holten zum Rundumschlag gegen die Berichterstattung über den FC Bayern aus. Insgesamt war der Auftritt ein großes "Mimimi", statt des so gerne vorgelebten "Mia san mia". Vom bayerntypischen Selbstvertrauen war wenig zu spüren. Dabei bräuchte es genau das, um im Kampf mit dem BVB zurückzuschlagen. Die Bayern-Bosse wollten mit verbaler Brachialgewalt von der sportlichen Situation ablenken, doch der Schuss ging nach hinten los. Um den Spieß umzudrehen, sollten die Münchner wieder auf die alte Bayern-Mentalität setzen: Und die heißt nicht rumjammern, sondern angreifen.

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