2018 M10 10 - 20:45 Uhr

Mutiger Facebook-Beitrag von Daniela E.

Was sie erlebt hat, ist unfassbar: Daniela E. wurde in der Leipziger Straßenbahn von einem jungen Mann angepöbelt und dann verprügelt. Statt sich nur an die Polizei zu wenden, beweist die zweifache Mutter Mut und schreibt sich auf Facebook die Wut von der Seele. Der Post wurde zum viralen Hit, ist inzwischen allerdings wieder gelöscht.

Leipziger Schläger war offenbar nicht alleine unterwegs

"Lieber Schläger, vielleicht erinnerst du dich schon gar nicht mehr an mich." So beginnt der offene Brief an den Mann, der Daniela am frühen Sonntagmorgen einfach so angegriffen hat. Sofort ist aber klar, dass es für die Frau auf dem Weg zur Frühschicht im Pflegeheim eine Fahrt war, die sie so schnell nicht vergessen wird.

Ein junger Mann, der anscheinend in einer größeren Gruppe unterwegs war, habe sie "mit mindestens vier Faustschlägen niedergestreckt". "Verzeih meine Ungenauigkeit, jedoch hatte ich nach dem dritten Faustschlag aufgehört zu zählen. Mein abgebrochener Schneidezahn hat mich dann doch etwas erschrocken", lässt Daniela die furchtbaren Details des Angriffs durchsickern.

"Alle sind zutiefst erschüttert"

Es sind vor allem viele – sehr verständliche – Fragen, die sie sich dabei nicht verkneifen kann: "Was hättest du getan, wenn ich nicht wieder aufgestanden wäre? Wenn ich nach deinem gezielten Schlag gegen meine linke Schläfe tot zusammengebrochen wäre? Wärst du dann immer noch laut, schreiend, großkotzig?"

Sie werde vor allem das Gesicht ihrer kleinen Tochter nicht vergessen, als sie ihren Liebsten von der Tat berichtete, erklärt die 29-Jährige: "Meine Kinder, mein Ehemann, meine Eltern, Geschwister, Freunde, alle hast du mit deiner niederträchtigen und widerwärtigen Tat zutiefst erschüttert. Und bis ins Mark erschrocken."

Täter wurde gefasst

Natürlich hat Daniela E. nicht nur auf Facebook auf die Tat aufmerksam gemacht, sondern auch bei der Polizei Anzeige erstattet. Dies bestätigte uns auch Katharina Geyer, Pressesprecherin der Polizei Leipzig. Obwohl die Polizei eigentlich davon abrät, auf eigene Faust – und vor allem mit seinem richtigen Namen – einen solch offenen Brief an seinen Angreifer zu schreiben, habe sich durch den Facebook-Beitrag eine Zeugin gemeldet, mit deren Hilfe der Täter als 19-jähriger Leipziger identifiziert werden konnte. Er wurde inzwischen gefasst.

Auch wenn der Schläger in einer größeren Gruppe unterwegs war, hat er bei dem Angriff alleine gehandelt. Für Daniela bleibt trotzdem die Frage an seine Begleiter, wie sie sich "mit solch einem menschlichen Abschaum" abgeben könnten. Sie hätte sich nicht nur von seinen Freunden, sondern auch von allen anderen Augenzeugen mehr Zivilcourage gewünscht. Vielleicht hätte sie diese Horrorfahrt so dann nicht erleben müssen.