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In Hannover mit dem Kältebus auf Tour: Diese Frau ist ein Engel der Obdachlosen

Schon zehn Erfrorene in Deutschland

Mit dem Kältebus auf Tour: Diese Frau ist ein Engel der Obdachlosen

Jana Keppler ist ein Engel der Obdachlosen

In diesem Winter sind bereits zehn Obdachlose auf der Straße gestorben, unter anderem in Hamburg, Köln, Düsseldorf, Hannover und Berlin. Und das obwohl viele Städte und Wohlfahrtsvereine Hilfe anbieten – sie öffnen Bahnstationen oder andere öffentliche Einrichtungen rund um die Uhr. In Hannover fährt der Kältebus der Johanniter regelmäßig im Winter durch die Innenstadt und gibt Bedürftigen warmes Essen, Getränke und Kleider.

Warum die Kälte so gefährlich ist

Jana Keppler bei der Arbeit für den Kältebus
Jana Keppler verteilt im Winter ehrenamtlich Essen und warme Getränke an Obdachlose. (Foto: RTL)

Mit im Einsatz ist die 22-jährige Jana Keppler – die Kinderkrankenschwester verteilt seit zwei Jahren mehrmals in der Woche mit dem Kältebus ehrenamtlich Essen und heiße Getränke an Obdachlose. Sie ist für einige Obdachlose der einzige normale Mensch, mit dem die Einzelkämpfer der Straße noch zu tun haben. Eine ihrer Kältebus-Touren gibt es im Video oben. Dort verrät ein Obdachloser, was er dazu sagt.

Die eisigen Temperaturen können für Menschen lebensgefährlich werden, weil der Körper nach und nach auskühlt und wichtige Organe versagen. Spätestens um den Gefrierpunkt wird es gefährlich. Weniger als 20 Grad Körpertemperatur führt meist zum Tode, denn damit geht oft Herzversagen einher. Doch bereits bei weniger als 26 Grad Körpertemperatur ist ein Mensch oft nicht mehr ansprechbar. Normal sind um die 37 Grad.

Wie kann ich helfen?

Einige Städte bieten Kältetelefone an, über die Bürger Hilfe rufen können. Wer einen Menschen bei Minusgraden auf der Straße schlafen sieht, der nicht auf Berührungen reagiert, solle umgehend den Notarzt rufen - diese Empfehlung gibt der Herzmediziner Thomas Münzel. Eine Übernachtung im Freien bei Frost könne schnell lebensbedrohlich werden, sagte der Professor für Kardiologie an der Mainzer Uniklinik.

Jeder der hilfebedürftige oder verletzte Menschen antrefft, sollte sofort den Rettungsdienst unter 112 verständigen.

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Alkohol beschleunigt Unterkühlung

Dass Alkohol gegen Kälte hilft, ist ein Irrtum. Stark betrunkene Menschen bemerken zudem die Lebensgefahr oft nicht. Sie fühlen sich warm, obwohl ihre inneren Organe vor dem Kollaps stehen.

Wie viel Kälte ein einzelner Mensch aushält, hängt von vielen Faktoren ab: Nicht nur Temperatur, Wind, Feuchtigkeit und Kleidung spielen eine Rolle, sondern auch der Körperbau und Muskelarbeit.

Notquartiere sind nicht sehr beliebt

Jana Keppler fährt mit dem Kältebus durch Hannover
Für viele Obdachlose ist Jana Keppler einer der wenigen Kontakte, die sie noch haben. (Foto: RTL)

Trotz eisiger Kälte suchen etliche Obdachlose keine Notunterkunft auf, obwohl sie Anspruch darauf hätten. Die Massenunterbringungen sind äußerst unbeliebt, denn Diebstahl und Gewalt sind ein großes Problem. Manchmal hat es auch etwas mit den Restriktionen beim Einlass zu tun. Wer alkoholisiert, mit Hund oder großen psychischen Problemen vor der Tür steht, darf nicht in jeder Einrichtung ins Warme.

Bund, Länder und Kommunen führen keine offiziellen Statistiken zu Kältetoten, so dass es nur Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe gibt. Die Organisation stützt sich bei ihrer bundesweiten Zählung auf Medienberichte. Offizielle, bundesweite Angaben zu der Zahl obdachloser Menschen existieren ebenfalls nicht. Allerdings wird alleine in Berlin die Zahl von Obdachlosen auf mehrere tausend geschätzt, viele von ihnen stammen aus Osteuropa.