Am Tag der Walpurgisnacht

Faszination Hexen, Gruseln und Übersinnliches

ARCHIV - Vor einem Lagerfeuer tanzt eine Hexe in der Walpurgisnacht im Harzort Schierke (Archivfoto vom 30.04.2007). Zu den Walpurgisfeiern in der Nacht zum 1. Mai werden im Harz wieder weit mehr als 100 000 Besucher erwartet. Nach Angaben des Harzer
Walpurgisnacht im Harz
dpa, A9999 Matthias Bein

von Lauren Ramoser

Ob Halloween, Horror-Filme oder Hexen – wir lieben es, uns zu gruseln. Woher kommt diese Faszination und der Glaube an das Übersinnliche? Wir haben in den USA eine "übernatürliche Ermittlerin" getroffen, die ihren Lebensunterhalt damit verdient, dass sie mit Toten spricht.

Beruf: Übersinnliche Ermittlerin

Gina Kruzel ist ein selbsternanntes Medium. Sie arbeitet im Süden Ohios und hat einen festen und vor allem wachsenden Kundenstamm. Auf ihrer Visitenkarte steht „Paranormal Investigator“, also „Übersinnliche Ermittlerin“ und sie verdient ihren Lebensunterhalt, indem sie Häuser von Geistern bereinigt und Tarot-Karten legt.

„Menschen rufen mich, wenn sich Dinge in ihrem Haus auf unerklärliche Weise bewegen,“ erklärt das Medium. „Ich baue dann Kontakt zu dem Geist auf und versuche zu klären, warum er nicht weiterziehen kann. Die meisten Kunden sind erleichtert, wenn ich ihnen helfen konnte.“

Und das Feedback ihrer Kunden ist durchweg positiv, denn nach Ginas Eingreifen hört das Spuken fast immer auf. „Die meisten Geister sind freundlich. Sie haben nur eine wichtige Botschaft, die sie überbringen müssen, bevor sie weiterziehen und dabei helfe ich.“

Bekehrt werden muss niemand

Gina Kruzel,  „Paranormal Investigator“
Gina Kruzel ist ein selbsternanntes Medium und nennt sich „Paranormal Investigator“.
Facebook/ Gina Kruzel - GinaParanormal

Bekehren will die Amerikanerin niemanden: „Spirituelle Energien sind Teil fast aller Kulturen und Religionen, aber wenn jemand nicht daran glaubt, ist das in Ordnung für mich.“ Werbung macht sie dennoch viel. Ihre Visitenkarten liegen in Geschäften, Trödel-Märkten und Supermärkten aus.

Mit der Einstellung kommt sie seit Jahren gut über die Runden, denn die US-Amerikaner sind vor allem in ländlichen Gegenden empfänglich für alles was mystisch und übernatürlich ist. Überall im Land werden Grusel-Touren angeboten, die Besucher an Orte führen, an denen Geister ihr Unwesen treiben.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Grusel-Industrie in den USA

In diesem Gemäuer soll es spuken.
"The Ridges" wird die ehemalige Psychiatrie genannt.
Rick Fatica, WOUB Public Media

In der Kleinstadt Athens im US-Bundesstaat Ohio findet dieser Grusel-Tourismus nahrhaften Boden. Über der Stadt erhebt sich eine ehemalige psychiatrische Heilanstalt, die seit Jahren leer steht. Fast täglich touren Schaulustige auf der Suche nach dem Nervenkitzel mit dem Tourguide auf den Hügel.

Höhepunkt der Tour ist ein in den Boden gesickerter Fleck, der angeblich von einer qualvoll gestorbenen Frau stammt und sich nicht entfernen lässt. Tom O‘Grady ist Kritiker der Grusel-Touren und hat als Historiker eine nüchtern logische Sicht auf die Dinge: „An dem leerstehenden Gebäude ist nichts mystisches. Es gibt weder rasselnde Ketten in den Kellern noch Flecken, für die es keine Erklärung gibt.“

Auch Promis wie Katie Price glauben offenbar an Geister. Im Video zeigen wir Handy-Fotos, die das Model mit der Behauptung gepostet hat, auf den Bildern seien Dämonen zu sehen.

Hexen-Tourismus seit 300 Jahren

Den vielen Besuchern ist das egal. Denn das Gruseln, die Hexen und alles Übernatürliche hat in den USA eine lange Geschichte. Angefangen hat das Spuk-Geschäft mit den Schwestern Leah und Michelle Fox, die behaupteten, mit Verstorbenen sprechen zu können.

Bereits 1847 tourten sie mit ihrer Show (und einigen Tricks) durch die USA und begeisterten Zuschauer mit angeblichen Gesprächen mit den Toten. Also ganz harmlos, verglichen mit den Hexenprozessen einige Jahrhunderte zuvor.

Hexen tanzen in der Walpurgisnacht

Auch in Deutschland gibt es eine lange Hexen-Tradition. Unrühmlicherweise wurden in keinem anderen Land mehr Menschen wegen Hexerei getötet. Zwischen 1400 und 1750 fielen fast 40.000 Männer und Frauen dem Hexenwahn zum Opfer. Vor allem im Rheinland und in Nordrhein-Westfalen.

Die Walpurgisnacht ist unangefochten der größte Tag der Hexen. Laut Legende trafen sich an diesem Abend die Hexen auf dem Blocksberg, gemeint ist der Brocken im Harz, um gemeinsam ein Fest zu feiern.

Unter anderem deswegen tanzen wir noch heute an eben diesem Tag gemeinsam in den Mai. Auch an Karneval sollen die Geister des Winters mit Masken und Kostümen vertrieben werden.