Eine Reportage aus den USA

In der Hoffnung auf ein besseres Leben: Tausende versuchen, über die grüne Grenze in die USA zu kommen

26. März 2021 - 10:36 Uhr

von Oliver Beckmeier, USA-Korrespondent

Sie kommen aus Mittel- und Südamerika und hoffen auf ein besseres Leben in den USA. Familien mit kleinen Kindern und auch viele unbegleitete Minderjährige versuchen irgendwie über die grüne Grenze in die USA zu kommen. US-Präsident Biden hat bei seiner ersten großen Pressekonferenz im Weißen Haus Vorwürfe zurückgewiesen, dass noch mehr Migranten kämen, seit er Präsident sei. Vize-Präsidentin Kamala Harris soll die Krise an der Süd-Grenze nun verantwortlich regeln.

RTL-Korrespondent Oliver Beckmeier hat die Grenze zu Mexiko besucht.

Grenzpolizist Santos Alaniz: „Das ist nicht mehr zu bewältigen.“

An der Grenze zu Mexiko: Migranten in der Hoffnung auf ein besseres Leben.
An der Grenze zu Mexiko: Migranten in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Die Zahlen steigen so extrem, weil der neue US-Präsident eine humanere Einwanderungs-Politik versprochen hat.
© RTL

Santos Alaniz ist seit 16 Jahren Grenz-Polizist in McAllen, Texas. Er nimmt uns mit auf Patrouille - an der Grenze zwischen Mexiko und den USA. "Vorgestern wurden 1.000 Migranten in zehn Stunden aufgegriffen," sagt der Polizist. "Das ist nicht mehr zu bewältigen." Nur wenige Minuten später, erleben wir es selbst: Eine Gruppe von 15 Menschen wurde von US-Grenzschützern festgesetzt. Sie waren illegal aus Mexiko über die Grenze gekommen, überwiegend Familien mit kleinen Kindern. "Wir waren 23 Tage unterwegs," erzählt uns Mariano, der mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn aus Guatemala gekommen ist.

Illegale Grenz-Übertritte auf Rekord-Niveau

Im Februar dieses Jahres gab es rund 100.000 illegale Grenz-Übertritte. 2020 waren es im gleichen Monat nur rund 37.000. Die Zahlen steigen so extrem, weil der neue US-Präsident eine humanere Einwanderungs-Politik versprochen hat. Joe Biden gerät dadurch enorm unter Druck, daher versucht er sich nun als starker Mann im Weißen Haus zu präsentieren – auch, um die Migranten abzuschrecken. "Wer illegal über die Grenze kommt, sollte wieder zurückgeschickt werden, sagt Biden. Jeder und jede Einzelne. Die einzigen, die wir nicht zurückschicken, sind Kinder."

Santos Alaniz ist seit 16 Jahren Grenz-Polizist in McAllen, Texas
Santos Alaniz ist seit 16 Jahren Grenz-Polizist in McAllen, Texas
© RTL

Die Auffanglager überfüllt - Asylanträge oft erfolglos

Aktuell befinden sich rund 16.000 Minderjährige in Auffang-Lagern der US-Regierung an der Grenze. Diese Einrichtungen sind jedoch längst überfüllt, die Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht. Daher versuchen auch mehrere Hilfsorganisationen hier in McAllen, Texas zu unterstützen. Während die US-Regierung prüft, ob die Menschen legal im Land bleiben dürfen, kümmern sich die freiwilligen Helfer um sie. Schwester Norma koordiniert diese Mammut-Aufgabe. "Es sind doch Menschen wie Du und ich, sagt sie. Wir heißen die Familien schlicht willkommen."

Die meisten Migranten müssen das Land am Ende wieder verlassen. Santos Alaniz erklärt uns, dass viele Migranten es dann noch ein zweites oder drittes Mal versuchen. "Diese Krise hier an der Grenze wird noch lange weitergehen," sagt er am Ende.

Menschen, die bereit sind alles aufzugeben und ihre Heimat zu verlassen, werden immer wieder alles versuchen, um ihrem Traum ein Stück näher zu kommen. Dem Traum von einem besseren Leben in den USA.