Doch der Ärger bleibt

Impfstoff-Ärger: AstraZeneca weist Berichte über mangelnde Wirksamkeit zurück

Illustration picture shows the Belgian headquarters of British-Swedish pharmaceutical giant AstraZeneca, in Dilbeek, Sat
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26. Januar 2021 - 9:27 Uhr

Ärger um weiteren Impfstoff-Kandidaten

Am Montag wurden verschiedene Medienberichte laut, die sich auf Informationen aus Kabinettskreisen beriefen und veröffentlichten, dass der Impfstoff von AstraZeneca bei Menschen über 65 Jahren nur zu unter 10 Prozent wirksam sei. Diese Vorwürfe wies der Impfstoff-Hersteller am späten Montagabend zurück. Doch der Ärger bleibt.

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AstraZeneca weist Vorwürfe zurück

Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca habe Medienberichten zufolge eine vergleichsweise geringe Wirksamkeit bei Senioren und dürfte für sie keine Zulassung erhalten – das berichteten sowohl das Handelsblatt als auch die Bild-Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise. Wie das "Handelsblatt" am Dienstag unter Berufung auf Kabinettskreise berichtete, zeigt das Mittel bei Über-65-jährigen eine Effektivität von acht Prozent. Bei "Bild" hieß es unter Berufung auf Regierungskreise, die Wirksamkeit in dieser Gruppe liege unter zehn Prozent.

Die Bundesregierung erwarte, dass der Konzern von der EU-Arzneimittelbehörde EMA daher nur eine Zulassung für Unter-65-jährige erhalten werde, hieß es am Montagabend. Es werde davon ausgegangen, dass dieser Schritt Freitag erfolgen wird, erste Lieferungen werden dann ab dem 15. Februar erwartet.

AstraZeneca weist diese Berichte über eine bis auf acht Prozent reduzierte Wirksamkeit seines Impfstoffes bei Senioren noch am späten Montagabend zurück. Die Angaben seien komplett falsch. "Der Minister [Jens Spahn, Anm. d. Redaktion] hat heute die Meldungen als Spekulationen zurückgewiesen. Überprüft werden die Studien für die Zulassung von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA. Wir erwarten die Zulassung für Freitag", verweist AstraZeneca auf ein Statement von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Dennoch geht der Ärger weiter: EU kritisiert Lieferumfang

Im Streit über Impfstoff-Lieferungen fordert die EU-Kommission Einblick in die Daten des Pharma-Konzerns AstraZeneca. "Die EU verlangt bis spätestens zum 29. Januar Auskunft des Unternehmens, wieso es weniger Impfdosen an die EU liefern will", hieß es am Montagabend aus EU-Kommissionskreisen nach einem weiteren Treffen von Unternehmensvertretern mit Mitgliedern der EU-Staaten. Es gebe nicht genügend Klarheit und Erklärungen seitens AstraZenecas, so EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides auf Twitter.

Kyriakides erklärte weiter, AstraZeneca sei aufgefordert worden, detaillierte Lieferpläne in die EU vorzulegen. Ein weiteres Treffen mit Unternehmensvertretern sei für Mittwoch geplant. In Kommissionskreisen hieß es, der Vertrag mit dem Konzern sehe eine Vorproduktion an Dosen im hohen Millionen-Umfang nicht nur für das laufende Quartal vor, sondern bereits ab dem vierten Quartal 2020. Zudem garantiere der Vertrag mit dem britisch-schwedischen Unternehmen der EU Zugang zu Produktionsdaten des Unternehmens. Die EU wolle zudem einen Export-Transparenz-Mechanismus einführen, um zu sehen, wohin in der EU produzierter Impfstoff geliefert werde.

Die EU fordere AstraZeneca demnach außerdem auf, das Lieferangebot für das erste Quartal deutlich nachzubessern. Die Lieferprobleme unterschieden sich deutlich von dem der Firmen BioNTech-Pfizer. Die dortige einwöchige Lieferunterbrechung habe sich "schlüssig" mit der Vorbereitung für eine erweiterte Produktion erklären lassen. Bei dem Konzern AstraZeneca sei dies aber nicht der Fall.

Quelle: Reuters/DPA/RTL.de

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