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Immer mehr Badetote in Deutschland: DLRG warnt vor einem "Land der Nichtschwimmer"

dpatopbilder - 06.08.2018, Mecklenburg-Vorpommern, Thelkow: Polizisten stehen am Ufer des Sees, in dem Taucher der Bereitschaftspolizei kurz zuvor den vermissten siebenjährigen Jungen leblos fanden. Der Junge war am Vorabend mit seiner Ferienlagergru
In Mecklenburg-Vorpommern kam ein Siebenjähriger beim Baden ums Leben: Leider ist das in Deutschland keine Seltenheit. © dpa, Bernd Wüstneck, bwu fdt

Schon 280 Badetote in 2018

Badeseen und Freibäder verbuchen in diesem Hitzesommer Besucherrekorde. Doch es gibt ungeahnte Schattenseiten. Denn laut der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) ertranken in den ersten sieben Monaten dieses Jahres bundesweit etwa 280 Menschen, 38 mehr als im vergangenen Jahr (Stand: 9. August). Die Zahlen sind alarmierend, für die DLRG jedoch längst keine Überraschung mehr. Schon im letzten Jahr bemängelte der Verband die Schwimmfähigkeit der Deutschen.

Risikopersonen in allen Altersklassen

04.08.2018, Baden-Württemberg, Zaberfeld: Menschen genießen einen sehr warmen Sommerabend am Badesee «Ehmetsklinge». Foto: Christoph Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die Hitze der letzten Wochen hat wie hier am Badesee Ehmetsklinge in Baden-Württemberg viele Gäste angelockt. © dpa, Christoph Schmidt, cdt fgj

Eine repräsentative forsa-Umfrage ergab 2017, dass 59 Prozent der Zehnjährigen in Deutschland keine sicheren Schwimmer mehr sind. Schuld daran ist vor allem der Rückgang an Schwimmunterrichtstunden in der Schule. "Wenn diese Entwicklung so weitergeht, ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann Deutschland zu einem Land der Nichtschwimmer wird", hatte DLRG-Vizepräsident Achim Haag gewarnt.

Doch Risikopersonen gibt es in jeder Altersklasse. Erst am vergangenen Dienstag ertrank ein 88 Jahre alter Mann in einem Badesee in Mainhausen (Hessen), eine 46-Jährige starb beim Baden in Frankfurt im Main und am vergangenen Freitag verunglückten in Nordrhein-Westfalen gleich fünf Personen beim Schwimmen tödlich. Darunter war auch ein Vierjähriger, der in einem Freibad in Bedburg bei Köln ertrank. Besucher entdeckten seine Leiche im Wasser eines Nichtschwimmerbeckens.

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Diese Regeln sollten Sie beim Baden unbedingt beachten Ins Wasser? Aber sicher! 02:03

Eltern vernachlässigen ihre Aufsichtspflicht

Dass Kinder besonders gefährdet sind, liegt insbesondere an den Eltern. "Eines hat nachgelassen: die Aufsichtspflicht der Erziehungsberechtigten", sagte Peter Harzheim, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister, im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Viele Eltern würden ständig auf ihr Smartphone starren, anstatt auf den Nachwuchs aufzupassen. Bei Flüchtlingsfamilien käme häufig hinzu, dass die Kinder nie Schwimmunterricht hatten.

Besonders viele Badeunfälle spielen sich an ungesicherten Badestellen im Binnenland ab, heißt es von der DLRG. "Gerade an unbewachten Badeorten ist das Risiko hoch", erklärte Michael Grohe, Sprecher der DLRG in NRW. Auch das Schwimmen in großen Flüssen wie dem Rhein sei gefährlich. "Das ist wie eine Autobahn, die Menschen sollten das Baden dort unbedingt meiden."

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