Immer im Schatten des Präsidenten-Papas: Ivanka Trump inszeniert sich als First Lady

18. März 2017 - 10:49 Uhr

Trump will mit Ivanka Sympathiepunkte sammeln

Mit seinem Regierungsstil hat US-Präsident Donald Trump sich bisher nicht viele Freunde gemacht. Sein Einreiseverbot für Muslime, die geplante Mauer an der Grenze zu Mexiko und seine Tweets lösen eine diplomatische Krise nach der anderen aus. Mit seiner Tochter Ivanka versucht der Präsident, Sympathiepunkte zu sammeln. Sie inszeniert sich als so etwas wie die inoffizielle First Lady.

Sie hat zwar kein offizielles Amt in Washington – eigentlich ist sie nur als Ehefrau des Präsidentenberaters Jared Kushner dorthin gezogen – trotzdem ist sie immer wieder an der Seite ihres Vaters zu sehen. Beim Staatsbesuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu etwa, war es zwar die echte First Lady Melania Trump, die dessen Frau in den Saal begleitete, dort übernahm dann aber Ivanka ganz selbstverständlich den Smalltalk.

Solche Auftritte wären eigentlich Melanias Aufgabe

Ivanka Trump neben Justin Trudeau
Ivanka Trump sitzt neben dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau.
© picture alliance/AP Images, Sean Kilpatrick, skp/GAC, KV

Auch am Weltfrauentag stand die Tochter des Präsidenten wieder im Fokus der Aufmerksamkeit. Sie trat auf dem Womens-Lunch in Washington auf und stahl ihrer Stiefmutter die Show. Beim Besuch des kanadischen Premierminister, saß sie sogar neben Justin Trudeau und sprach über Gleichberechtigung in der Arbeitswelt. "Frauen-Themen liegen mir am Herzen, dafür kämpfe ich, aber ohne Amt", erklärte Ivanka.

Eigentlich wären solche Auftritte die Aufgabe von Melania Trump. Doch die kommt nur selten nach Washington. Sie wohnt mit Sohn Barron vorerst weiter in New York, wo er zur Schule geht. Und so überlässt sie Ivanka das Feld, die nun stattdessen mit der Präsidentenmaschine oder in der gepanzerten Limousine unterwegs ist.

So etwas gab es noch nie

Ivanka Trump und ihre Familie
Ivanka Trump reist mit ihrer Familie in der Präsidentenmaschine.
© imago/ZUMA Press, imago stock&people

Sie wirkt als eine Art Gegenpol zum unbequemen Chefberater Steve Bannon, der für rechtsnationale Parolen und Verschwörungstheorien bekannt ist. Sie versucht gewissermaßen, die Wogen zu glätten, die ihr Vater mit seinem teilweise rüpelhaften außenpolitischen Verhalten schlägt.

Als er beispielsweise das chinesische Neujahrsfest – den wichtigsten Feiertag dort – völlig ignorierte, tat Ivanka ihr Bestes, um eine diplomatische Krise zu verhindern. Sie fuhr mit ihrer fünfjährigen Tochter Arabella, die im Kindergarten chinesisch lernt, in die Botschaft. In China machte das mächtig Eindruck. Ivanka postete kürzlich sogar ein Video, wie ihr einjähriger Sohn Theodore barfuß auf dem Teppich des Weißen Hauses spielt – fast schon wie zu Kennedy-Zeiten.

Dass die Tochter eines Präsidenten so großen Einfluss hat, ist sehr ungewöhnlich. "Wir haben noch nie erlebt, dass der Nachwuchs eines Präsidenten eine so große Rolle spielt, als enger Berater und als quasi First Lady", erklärt der Historiker Mark Updegrove. Wegen ihrer Popularität schlagen die ersten schon vor, ob sie nicht 2024 als Kandidatin für das höchste Amt im Staat antreten will.