Tobias R. (42) tötete zehn Menschen

Imam nach Terror in Hanau: "Nein, Angst haben wir nicht"

21. Februar 2020 - 18:16 Uhr

Video: RTL spricht mit Imam Said Ahmed Arif

Tobias R., der Mörder von Hanau, hatte offenbar Wahnvorstellungen und war ein Rassist. Erst tötete er vier Menschen und verletzt mehrere in der Shisha-Bar "Midnight" und dem Nachtcafé "La Votre". Dann fuhr er weiter in den Stadtteil Kesselstadt, wo er weitere fünf Menschen ermordete. Alle Opfer haben einen Migrationshintergrund. RTL hat mit dem Imam der Berliner Khadija-Moschee, Said Ahmed Arif, gesprochen. Er kannte die Hanauer Gemeinde gut.

Man müsse achtsam sein

"Nein, Angst haben wir nicht", sagt Imam Arif, "aber wir sind achtsam". Der Terrorangriff in Hanau ginge im sehr nahe. "Ich war schon oft in Hanau", sagt er, auch einige Gemeindemitglieder seien dort gewesen. "In Hanau haben wir eine Moschee. Es ist eine größere Moschee, wo auch nationale Veranstaltungen stattfinden", so Arif. Auch ein Auto der Gemeinde sei beschossen worden. "Es hätte auch in einer Moschee passieren können", mahnt er.

Man müsse den Terrorangriff daher sehr ernst nehmen, das sei "ganz wichtig". Wichtig sei aber auch, dass "man versucht, eigene Maßnahmen zu ergreifen." Denn: "Angst wird uns in dieser Situation auch nicht weiterhelfen", sagt der Imam. Vielmehr müsse man "dem Alltag wieder nachgehen."

Misstrauen müsse beseitigt werden

Imam Arif macht sich oft Gedanken um die Sicherheit seiner Gemeindemitglieder, auch wegen der aufkeimenden Fremdenfeindlichkeit. "Rassismus gibt es immer mal wieder, vor allem bei der Wohnungssuche und der Arbeit", sagt er. Frauen mit Kopftuch seinen besonders betroffen. "Sie sind der offenen Islamfeindlichkeit  intensiver ausgesetzt", sagt er, auch, weil sie durch das Kopftuch sichtbarer seien. Da sei besonders die Politik gefragt, so der Imam. Misstrauen müsse beseitigt werden. "Man muss die Gespräche suchen und Vertrauen aufbauen", mahnt er. Für Hetzte dürfte es in der Gesellschaft keinen Platz geben.

Der Terrorangriff in Hanau habe ihn sehr überrascht. Aber, so Arif, nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, dem Terrorangriff in Halle, den Bombendrohungen gegen Moscheen und den NSU-Fällen habe "die Gefahr immer gelauert". Wichtig sei nun an die Opfer zu denken, denn oft "verliert man den Gedanken an sie."

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