Imam in der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden: "Manche sind einfach unbelehrbar"

40 Prozent der Gefangenen sind Muslime

Immer mehr Muslime radikalisieren sich hinter Gittern. Gerade die Jüngeren sind leichte Beute für Islamisten und deren Ideologien. Genau die versucht Hussamuddin Meyer zu erreichen. Er ist Imam in der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden. Vor Jahren konvertierte er selbst zum Islam.

Gefängnis-Imam Hussanmuddin Meyer
Gerade bei den Häftlingen trifft die IS-Propaganda oft auf fruchtbaren Boden.

Einmal in der Woche macht sich der Gefängnis-Imam auf in die JVA Wiesbaden. Hier hat sich die Zusammensetzung der Häftlinge in den letzten Jahren drastisch verändert: 40 Prozent der Insassen sind inzwischen Muslime. Und die fühlen sich von einem Imam besser verstanden als von anderen Betreuern. Meyer betet mit ihnen, studiert mit ihnen den Koran und beantwortet Fragen zu Religion, Politik und anderen Lebensbereichen.

Vor allem aber will er verhindern, dass die muslimischen Häftlinge hinter Gittern zu radikalen Islamisten werden. Diese nutzen vermehrt den Mikrokosmos Haftanstalt, um ihre Ideologien zu verbreiten und gezielt neue Rekruten für die Terrormiliz 'Islamischer Staat' anzuwerben. "Man kann wahrscheinlich schon sagen, dass etwa zehn bis 15 Prozent der Insassen anfällig sind für radikale Thesen", vermutet Imam Meyer. Die Propaganda trifft gerade bei den Häftlingen auf fruchtbaren Boden. "Wenn man hier im Gefängnis ist, dann fühlt man sich ja erstmal schlecht. Dann reden die einem ein, man könne sich von seinen Sünden befreien, etwas Großes werden, ein Held werden", so Meyer.

"Manche sind einfach unbelehrbar"

Hinter Gittern leben die muslimischen Häftlinge meist unter sich, abgeschottet von anderen Insassen. Der Imam ist oft der einzige, den die Männer überhaupt an sich heranlassen. "Ich brauche den inneren Frieden, den ich bei Herrn Meyer bekomme. Er lehrt uns vieles, was wir nicht wissen. Er hat viel Erfahrung", erzählt einer der Häftlinge, der anonym bleiben möchte.

Doch nicht alle Muslime nehmen das Gesprächsangebot des deutschen Imams an. "Es gibt einfach auch Leute, die unbelehrbar sind, die sich davon gar nicht beeindrucken lassen. Es ist schwer, dann an sie heranzukommen". Das sind die Momente, in denen Hussamuddin Meyer an seine Grenzen stößt. Entmutigen lässt er sich davon aber nicht. Er weiß, langfristig wird es für ihn in der JVA noch viel zu tun geben.