Durchbruch auf Islamkonferenz

Imam-Ausbildungen auch in Deutschland

Künftig sollen Imame auch in Osnabrück ausgebildet werden.
Künftig sollen Imame auch in Osnabrück ausgebildet werden.
© dpa, Stefan Puchner, puc hjb

10. November 2020 - 15:16 Uhr

Bisher waren Ausbildungen nur im Ausland und in Dahlem möglich

Es ist ein wichtiger Schritt, der auf der Islamkonferenz beschlossen wurde. Ab April sollen Muslime in Deutschland eine unabhängige, wissenschaftlich fundierte Imam-Ausbildung machen können – darunter auch Frauen. Und zwar in Osnabrück, beim Islamkolleg Deutschland. Bisher war eine Ausbildung zum Imam nur im Ausland oder beim Verband Ditib in Dahlem in der Eifel möglich. Die Ditib vertritt allerdings vor allem türkische Muslime und ist nicht unabhängig. Sie gilt als verlängerter Arm des türkischen Präsidenten Reccep Tayyip Erdogan.

Vor allem jüngere Muslime fühlen sich oft nicht mehr angesprochen

Das Problem mit Imamen, die im Ausland ausgebildet wurden: Vor allem jüngere Muslime fühlen sich oft nicht mehr von ihnen angesprochen. Der Koran wird oft wörtlich vorgetragen, fernab von der Sprache junger Muslime. Und genau das haben sich radikale Salafisten in den letzten Jahren häufig zunutze gemacht. Hunderte junge Muslime schlossen sich in den letzten Jahren der Terrormiliz IS an und zogen freiwillig nach Syrien und in den Irak.

Darum müsse es "auch Imame geben, die sich mit Deutschland identifizieren, sich hier zu Hause fühlen, die Deutsch sprechen, und die Werte Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit teilen", sagt Mathias Middelberg, innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion. 

Einfluss auf Deutsche Moschee-Gemeinden bleibt wahrscheinlich gering

Ein großer Nachteil, den die Ausbildung aber in Deutschland hat, ist die schlechte Bezahlung. Imame, die nicht aus dem Ausland bezahlt werden, verdienen vergleichsweise schlecht. Die Leiter des Islamkollegs in Osnabrück fordern darum mehr finanzielle Unterstützung vom Staat und den muslimischen Gemeinden. Ein weiteres Problem: der Einfluss der neuen Imam-Ausbildung auf die vielen Moschee-Gemeinden in Deutschland dürfte erstmal klein bleiben. Die großen Dachverbände, wie die türkische Ditib, halten sich vorerst fern. In den meisten deutschen Moscheen werden also weiterhin Imame predigen, die ihre Ausbildung im Ausland gemacht haben.