10. September 2015 - 13:00 Uhr

Unter seinen Post schrieb er: #wertschätzung, #menschlichkeit, #dankbarkeit

Der alten Dame an der Supermarktkasse fehlen 51 Cent. Als sie ihre Schokolade schon zurückgeben will, greift ein Mann spontan ein und zahlt ihr den Einkauf – und nicht nur das. Sein Facebook-Post berührt derzeit Hunderttausende im Netz.

"Heute im Supermarkt", mit diesen Worten beginnt die Geschichte, die Facebook-User Dirk-Oliver Lange, nach eigenen Angaben ein Coach aus Hamburg, postet. Darin schildert er folgende Situation. Eine ältere Frau steht vor ihm an der Kasse, legt ihre wenigen Waren aufs Band: "Ein Brötchen, eine Packung abgepackten Aufschnitt, eine Tüte Milch und eine Tafel Schokolade". Die Kassiererin nennt ihr den Betrag von 2,18 Euro. Die Frau kramt in ihrer Manteltasche nach Kleingeld, doch am Ende fehlen 51 Cent. "Ich habe nicht mehr", zitiert Lange ihre Reaktion.

"Diese Situation brach mir das Herz und ich gab der Verkäuferin zu verstehen, dass ich den Betrag übernehmen würde. Ich gab ihr einen Fünfzig-Euro-Schein mit dem Hinweis, das Wechselgeld bitte der älteren Dame zu geben (…) mir war es wichtig, die ältere Dame nicht peinlich zu berühren, indem ich ihr das Geld direkt gegeben hätte", heißt es in dem Post weiter. Die Frau soll sich mit Tränen in den Augen bedankt haben und der einzigen Bitte nachgekommen sein, von dem Geld alles an Lebensmitteln einzukaufen, was sie gerne hätte.

Mehr als 460.000 Menschen haben diesen Post inzwischen geliked. Die Reaktionen sind überwiegend positiv. "Ich freue mich riesig, dass manche Menschen ihr Herz am rechten Fleck haben", schreibt ein User. "Es gibt viel zu wenige Menschen, die so etwas tun", "wenn das wirklich stimmt, finde ich es sehr berührend", kommentieren andere. Einige User äußern sich über diesen Eintrag, dessen Echtheit wir nicht überprüfen konnten, allerdings auch skeptisch: "Die Geschichte ist zu durchdacht, zu perfekt. Und das von jemandem, der sich als Person des öffentlichen Lebens bezeichnet".

Experten erwarten "Welle der Altersarmut"

Ob wahrheitsgemäß oder nicht, der Facebook-Post macht auf ein Problem unserer Gesellschaft aufmerksam. In Deutschland gelten derzeit 15 Prozent der Menschen als arm. Besonders gefährdet sind neben Arbeitslosen und Alleinerziehenden dabei alte Menschen. Als von Armut bedroht gelten laut EU-Definition Menschen, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen müssen. Aktuell sind das in Deutschland für einen Einpersonenhaushalt 917 Euro pro Monat. 2014 betraf das laut Angaben des Statistischen Bundesamtes 15,4 Prozent der Bevölkerung. Im Vorjahr waren es 15,5 Prozent, in den zwei Jahren davor 15,0 Prozent.

Die Statistik zeigt: Je schlechter die Schul- und Ausbildung, desto größer die Gefahr für Armut. 2014 waren 30,8 Prozent der schlecht qualifizierten Einwohner armutsgefährdet; 2005 traf das erst auf 23,1 Prozent zu. Gering qualifiziert sind laut EU-Definition Menschen, die maximal einen Realschulabschluss, aber keine Berufsausbildung haben. Auffälliger - und beunruhigender - findet Sozialexperte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtverbandes, andere Aspekte der Statistik. "Ein wirklicher Kracher ist, dass mit 15,6 Prozent zum ersten Mal die Armutsgefährdungsquote unter Rentnern über der Durchschnittsquote liegt". Er sieht eine "Welle der Altersarmut" auf Deutschland zurollen, wenn die Politik nicht gegensteuert.