Kleines Frühchen ist ein Kämpfer

Im Corona-Koma: Diana (36) bringt Sohn zur Welt - in der 25. Schwangerschaftswoche!

Baby Jefferson wurde in der 25. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt geholt. Er hat sich nicht bei seiner Mutter mit Covid-19 infiziert und befindet sich auf dem Wege der Besserung.
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29. Juni 2020 - 7:29 Uhr

Jefferson musste nach Geburt wiederbelebt werden

Jefferson war gerade 24 Wochen und 3 Tage im Bauch seiner Mama Diana Angola, als Ärzte den kleinen Jungen per Kaiserschnitt holten. Ein dramatischer Moment, denn Diana war schwer an Covid-19 erkrankt, lag zum Zeitpunkt des Eingriffs im Koma.

"Können sagen, dass sich alles zum Positiven entwickelt"

Als Diana Angola am 15. Mai ins Versalles-Krankenhaus in der kolumbianischen Stadt Cali eingeliefert wurde, stand es schlecht um die schwangere Frau. Sie hatte hohes Fieber, das sich nicht eindämmen ließ, das Atmen fiel der 36-Jährigen schwer. Ärzte versetzten sie ins Koma, intubierten sie, und richteten sie im 45 Grad Winkel auf, um ihr das Atmen zu erleichtern. Normalerweise werden Coronapatienten zu diesem Zweck auf den Bauch gedreht, doch das war in Dianas Fall wegen der Schwangerschaft keine Option. Trotz aller Bemühungen blieb die Sauerstoffversorgung so schlecht, dass sich die Ärzte schließlich dazu entschieden, ihr ungeborenes Kind in der 25. Schwangerschaftswoche zu holen.

Eine dramatische Hochrisikogeburt. "Er wurde mit großen Atembeschwerden geboren, wir mussten ihn wiederbeleben", berichtet der Neonatologe Edwin Olivo der Nachrichtenagentur AFP. Olivo ist Teil der Gruppe von Spezialisten, die mit dem Fall betraut waren. Doch das Baby scheint ein kleiner Kämpfer zu sein. Jefferson liegt im Brutkasten, nimmt allmählich an Gewicht zu, atmet besser und wurde negativ auf das Coronavirus getestet. "Zum Glück können wir sagen, dass sich alles zum Positiven entwickelt", so der Kinderarzt.

Auch die Mutter ist wohlauf. Sie hat sich von ihrer schweren Krankheit und der Operation erholt  und freut sich nun auf ihre Entlassung. "Es berührt mich sehr zu wissen, dass wir gekämpft haben, dass Ärzte uns geholfen haben zu überleben", sagte sie der AFP. Wo sie sich infiziert hat, könne die 36-Jährige nicht sagen, sie habe sich strikt an den am 25. März in Kolumbien verhängten Lockdown gehalten.

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Schwanger und an Covid-19 erkrankt

Durch die intensive Pflege und Behandlung im Brutkasten haben sich die Überlebenschancen von Frühgeborenen enorm verbessert. Bei einer Frühgeburt ab der 24. Schwangerschaftswoche hat das Baby heute bei intensivmedizinischer Betreuung gute Chancen zu überleben. Ab der 28. Woche liegen die Überlebenschancen sogar schon bei 95 Prozent. In den meisten Fällen entwickeln sich die Frühgeborenen zu gesunden Kindern. Sie können zwar in ihrer Entwicklung im Vergleich zu anderen Kindern noch über Jahre zurück sein, schließen aber meist irgendwann auf.

Während der andauernden Coronapandemie gab es schon einige Male Fälle wie den des kleinen Jefferson, die durch die Presse gingen. Auch Covid-19-Patientin Angela aus Vancouver lag im induzierten Koma, als ihre Tochter Ava per Kaiserschnitt geholt werden musste. Adriana Torres aus dem US-Bundesstaat New York wurde wegen einer schweren Corona-Erkrankung ins künstliche Koma versetzt – als sie wieder erwachte, war sie Mutter.

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