Im Angesicht des Feindes: Die Bewohner von Igilli leben direkt an der Grenze zu Nordkorea

18. April 2017 - 13:47 Uhr

"Raketen werden über uns hinwegfliegen"

Nordkorea ist seit Jahrzehnten isoliert, völlig verarmt und wird immer wieder von schweren Hungersnöten heimgesucht. Den Machthaber Kim Jong Un scheint das nicht zu irritieren, denn gerade provozierte er die USA mit neuen Raketentests und drohte Präsident Donald Trump mit Krieg. Der Konflikt eskaliert immer weiter. Für uns hier in Europa fühlt sich Nordkorea sehr weit weg an. Aber wie ist für die Menschen vor Ort? Wie lebt es sich mit dem Feind in direkter Nachbarschaft?

Zwischen Yeon Joo-soon und Nordkorea liegen gerade mal ein paar hundert Meter. Die Frau lebt in einem Dorf Igilli nahe der nordkoreanischen Grenze. Nur ein Zaun trennt die Bewohner in der militärischen Sperrzone vom unberechenbaren Nachbarn im Norden. Doch die Menschen dort sehen die Situation eher entspannt. "Wenn es Krieg geben wird, wird Nordkorea Raketen abfeuern, die über uns hinwegfliegen und direkt in Seoul einschlagen", erklärt Yeon Joo-soon. Die Dorfbewohner fühlen sich also ziemlich sicher.

"Wir sterben lieber an der frischen Luft"

170 Menschen leben in Igilli. Vier Mal im Jahr kommen südkoreanische Soldaten ins Dorf und proben mit ihnen den Ernstfall. Doch viele nehmen an den Übungen im Luftschutzbunker gar nicht mehr teil. "Die meisten hier bevorzugen es ohnehin im Fall eines Angriffes, an der frischen Luft zu sterben, als hier im Bunker eingeschlossen zu sein und auf den Tod zu warten. Ich sehe das genauso", erklärt Dorfchef Kim Jong-yeon. Der Bunker wurde also kurzerhand zum Sport und Fitnesscenter umfunktioniert.

Der Grenzstreifen, in dem das Dorf liegt, ist militärisches Sperrgebiet. Nur wer eine Sondergenehmigung hat, darf passieren. Die Gegend gilt als die minenverseuchteste der Welt. Überall in den Feldern und im Wald lauern die gefährlichen Sprengsätze im Boden. Gleichzeitig kann man dort unberührte Natur genießen. Denn wo kaum noch Menschen leben, können sich Pflanzen und Tiere frei entfalten.

Gerade darum leben die Bewohner von Igilli so gerne nahe der nordkoreanischen Grenze und nehmen den Feind in Sichtweite in Kauf. Auch Rentner aus Seoul zieht es in das Dorf. "Die wollen hier wohnen, weil die Luft gut ist und wir eine unberührte Natur haben", erklärt eine Ladenbesitzerin.