Illegale Autorennen: NRW fordert in neuem Gesetzentwurf Haft für Raser

07. Juli 2016 - 12:03 Uhr

"Raserei ist russisches Roulette"

Teilnehmer illegaler Autorennen sollen nach dem Willen Nordrhein-Westfalens mit Haftstrafen und dem Verlust ihres Fahrzeugs rechnen müssen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat NRW mit Unterstützung aus Hessen dem Bundesrat vorgelegt.

Illegale Rennen: NRW fordert Haft für Raser
Mahnwache für Raser-Opfer in Köln (Archivbild)
© dpa, Oliver Berg

Die Länderkammer soll am Freitag darüber beraten, die endgültige Entscheidung liegt später beim Bundestag. Zuerst berichtete die 'Rheinische Post' über die Initiative. Laut der Zeitung haben Bayern, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern schon Zustimmung signalisiert.

Bislang ist die Beteiligung an illegalen Rennen eine Ordnungswidrigkeit, die mit 400 Euro und einem Monat Fahrverbot bestraft wird. Veranstalter müssen mit 500 Euro rechnen. "Das ist wirklichkeitsfremd. Denn Raserei ist russisches Roulette, allerdings ist der Spieleinsatz das Leben der anderen", sagte NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) der 'Rheinischen Post'.

Laut dem NRW-Vorschlag würden illegale Autorennen künftig als eine Straftat im Strafgesetzbuch aufgeführt. Als Strafe sollen drei Jahre Haft drohen - sogar zehn Jahre, wenn jemand schwer verletzt oder gar getötet wird. Der hohe Strafrahmen wird damit begründet, dass ein illegales Rennen mehrerer Teilnehmer noch gefährlicher sein kann als zum Beispiel die Trunkenheitsfahrt eines Einzelnen. Außerdem könnten damit gegen beharrliche Mitglieder der Szene lange Freiheitsstrafen verhängt werden, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden dürfen. Und: Solche Raser seien besonders nachhaltig mit dem Einziehen ihrer Fahrzeuge zu beeindrucken - deshalb soll auch die Wegnahme möglich sein. Selbst Autobesitzer, die den Wagen nicht selbst gefahren haben, sollen das befürchten müssen. Ein Führerscheinentzug für sechs Monate bis fünf Jahre soll die Regel werden.

Illegale Autorennen haben schon mehrfach tödliche Folgen gehabt: Ende Mai verurteilte das Kölner Landgericht einen Renn-Raser, der einen Radfahrer totgefahren hatte, zu zwei Jahren und neun Monaten Haft. In einem anderen Fall mit tödlichem Ausgang schickte es die Raser aber mit Bewährungsstrafen nach Hause. Dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Auch andere Todesfahrer kamen schon glimpflich davon. Da ein illegales Rennen bislang nur eine Ordnungswidrigkeit ist, müssen für die Strafbarkeit andere Paragrafen wie fahrlässige Tötung oder Körperverletzung herangezogen werden.