Kritik von allen Seiten für Ilkay Gündogan und Mesut Özil - Türkischer Verband schießt gegen DFB

Ilkay Gündogan, Mesut Özil, Recep Tayyip Erdogan und Cenk Tosun (von links)
Ilkay Gündogan, Mesut Özil, Recep Tayyip Erdogan und Cenk Tosun (von links)
© AK Parti / Twitter

16. Mai 2018 - 12:28 Uhr

Türkischer Verbandsvorsitzender wirft Grindel vor, "den Fußball in die Politik hineinzuziehen"

Während die Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan für ihr Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan von allen Seiten kritisiert werden, greift der türkische Verband den DFB an. Die "diffamierenden Aussagen" von DFB-Chef Reinhard Grindel habe er mit tiefer Bestürzung zur Kenntnis genommen, teilte der Vorsitzende der Türkischen Fußball-Föderation TFF, Yildirim Demirören, mit.

Erdogan: "Passionierter Fußball-Liebhaber"

"Die Ansichten des DFB-Vorsitzenden sind in keinster Weise hinzunehmen." Demirören - der als Gefolgsmann Erdogans gilt - warf Grindel vor, "den Fußball in die Politik hineinzuziehen". Der türkische Verbandsvorsitzende teilte mit, es sei "ganz normal", dass die Spieler der Einladung Erdogans zu einem Treffen Folge geleistet hätten. "Dass unser Präsident, der ein ehemaliger Fußballer und ein passionierter Fußball-Liebhaber ist, viel dazu beigetragen hat, dass sich dieser Sport in der Türkei entwickelt, ist eine allseits gut bekannte Tatsache", sagte er.

Die für den WM-Kader der deutschen Nationalmannschaft nominierten Fußballspieler Özil und Gündogan hatten am Montag Kritik hervorgerufen, weil sie Erdogan bei einem Treffen in London Trikots ihrer Vereine überreichten. Grindel hatte den Spielern vorgeworfen, sich von Erdogan für Wahlkampfzwecke missbrauchen zu lassen. Er hatte außerdem mitgeteilt, der Fußball und der DFB stünden für Werte, "die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden".

Scharfe Kritik von Deniz Naki: "Das geht gar nicht"

Der deutsch-türkische Fußballer Deniz Naki hat Özil und Gündogan für ihre Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten heftig kritisiert. "Was Özil und Gündogan da mit dem Trikot für Erdogan machen, geht gar nicht", zitiert die 'Sport Bild' den früheren Profi des FC St. Pauli und des SC Paderborn.

"Özil und Gündogan beteiligen sich an Erdogans Wahlkampf", sagte Naki. "Wenn das ihr Präsident sein soll, warum spielen sie dann für Deutschland? Ich finde das nicht in Ordnung. Man kann einem Präsidenten ein Trikot überreichen, wenn der für Frieden und Demokratie ist. Die ganze Welt aber weiß, dass Erdogan das nicht ist." Naki hat kurdische Wurzeln und ist von der TFF lebenslang gesperrt. Grund sei "Diskriminierung und ideologische Propaganda" vonseiten des Fußballers.

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Integrationsbeauftragte der Bundesregierung: Gündogan und Özil schlechte Vorbilder

Nach Ansicht der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, haben Özil und Gündogan schlechte Vorbilder abgegeben. "Ich erwarte nicht, dass ein Fußballer von Heute auf Morgen Diplomat wird. Aber ich erwarte von einem Fußballnationalspieler, dass er sich seiner Funktion bewusst wird", sagte die CDU-Politikerin im Deutschlandfunk.