Ikea: Neue Rückkaufregelung "Zweite Chance" – was ändert sich?

13. August 2018 - 19:19 Uhr

Testphase in fünf Ikea-Pilothäusern

Mit dem Projekt "Zweite Chance" möchte Ikea die Lebensdauer von Möbeln verlängern. Ab September kauft das schwedische Einrichtungshaus gebrauchte Möbelstücke zurück – allerdings zunächst nur in fünf Pilothäusern.

Ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit

Mit verschärften Rückgaberegelungen zum 1. September kündigte Ikea bereits im Juli an, der Wegwerfgesellschaft Grenzen zu setzen. Bisher bekamen Kunden bei einer Rückgabe den vollen Kaufpreis erstattet – egal, in welchem Zustand sich die Möbelstücke befanden. Mit dem Service "Zweite Chance" will Ikea nun einen weiteren Schritt in Richtung Nachhaltigkeit gehen. Angelehnt an ein erfolgreiches Modell in der Schweiz, will das Unternehmen gebrauchte Möbel zurückkaufen, um sie selbst weiterzuverkaufen. Dadurch soll laut Ikea der Ressourceneinsatz, der für ein Produkt nötig ist, eine höhere Wertschätzung erhalten.

Funktionieren soll das Ganze wie folgt: Der Kunde beantwortet in einem Online-Portal Fragen zu dem Möbelstück, das er zurückgeben möchte. Abhängig vom Zustand des Produktes, erhält er dann automatisch ein unverbindliches Angebot. "Der Preisvorschlag liegt bei 30 Prozent des Neupreises für ein Produkt in mindestens gutem Zustand und bei 50 Prozent für ein Produkt, das wie neu ist", erklärt die Projektleiterin Cornelia Obitz im Ikea-Unternehmensblog.

Am Rückgabe-Schalter der teilnehmenden Häuser kann der Kunde dann diesen Vorschlag samt Möbelstück vorlegen. Wenn der Zustand des Produkts mit den zuvor gemachten Angaben übereinstimmt, erhält der Kunde einen Warengutschein im Wert des Rückkaufpreises.

"Zweite Chance“ soll keine Konkurrenz zu Ebay und Co. sein

Ikea will allerdings nur Waren in gutem bis einwandfreiem Zustand zurückkaufen. Diese sollen dann in der Fundgrube zum Rückkaufpreis plus Mehrwertsteuer angeboten werden. Ikea selbst verdient demnach kein Geld an den gebrauchten Möbeln. "Zweite Chance" soll keine Konkurrenz zu Ebay und Co. sein. "Ein Privatverkauf auf anderen Wegen ist genauso wünschenswert – am Ende geht es darum, die Lebenszeit des Produkts zu verlängern", sagt Cornelia Obitz. Wie unser Video-Test zeigt, lohnt sich der Weg über Kleinanzeigen für den Verkäufer mehr.

Auch der Naturschutzbund Deutschland e.V. (Nabu) unterstützt die Initiative von Ikea. "Heute gehen viel zu viele ausrangierte Möbel in die Verbrennung", erklärt Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des Nabu. "Umso wichtiger ist ein funktionierender Gebrauchtwarenmarkt. Er setzt ein klares Zeichen gegen eine Ex-und-hopp-Mentalität und für eine längere Nutzung - davon kann die Umwelt nur profitieren."

Den Service bieten die Pilothäuser in Berlin-Lichtenberg, Siegen, Kaarst, Hannover-Expo-Park und Würzburg ab September 2018 an. Wenn das Projekt Erfolg hat, soll der Service auf weitere Häuser ausgeweitet werden.