IG Metall fordert 28-Stunde-Woche

10. Oktober 2017 - 13:49 Uhr

Die IG Metall verhandelt neue Tarifverträge

Das könnte eine spannende Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt auslösen: 23 Jahre nach Vollendung der 35-Stunden-Woche will die IG Metall erstmals wieder kürzere Arbeitszeiten durchsetzen. In den Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie verlangt die Gewerkschaft neben 6 Prozent mehr Geld die grundsätzliche Möglichkeit für die 3,9 Millionen Beschäftigten, über einen Zeitraum von zwei Jahren ihre Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden reduzieren zu können.

Schichtarbeiter, Eltern junger Kinder und pflegende Familienangehörige sollen für den entgangenen Lohn zudem Ausgleichszahlungen in unterschiedlicher Höhe erhalten, erklärte der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, bei der Vorstellung der Vorstandsempfehlung in Frankfurt. Berechtigt könnten bis zu 40 Prozent der Belegschaften sein.

Für Schichtarbeiter und andere Beschäftigte mit belastenden Arbeitszeiten verlangt die IG Metall fünf jährliche Freischichten mit einem Entgelt auf dem Niveau der untersten Lohngruppe von 750 Euro. Wer zuhause Angehörige pflegt oder Kinder unter 14 Jahren betreut, soll dauerhaft und je nach Einzelfall seine Arbeitszeit reduzieren können.

Die 28-Stunden-Woche klingt wie eine Revolution, ist aber keine

ARCHIV - Der Himmel färbt sich am 11.02.2013 in Duisburg (Nordrhein-Westfalen) bei einem Stahlabstich im HKM-Werk. (zu dpa: " IG Metall stellt Forderung zu kürzeren Arbeitszeiten auf" vom 10.10.2017) Foto: Martin Gerten/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Stahlwerk in Duisburg
© dpa, Martin Gerten, mg cul kno

Einen Lohnausgleich soll es nach den Vorstellungen der Gewerkschaft für einen halben Tag pro Woche (3,5 Stunden) geben. "Wir fordern Geld und wir fordern Zeit. Zeit ist unseren Mitgliedern ein immer höheres Gut in den letzten Jahren geworden", erklärte der Chef der stärksten deutschen Gewerkschaft. Die Forderung treffe den Nerv der Beschäftigten. Die Branche müsse sich um zeitgemäße Arbeitsplätze bemühen. "Die Arbeitgeber stehen nicht als Verlierer da, sondern sie gewinnen dadurch Arbeitszeitmodelle, die sie attraktiv machen", meinte Hofmann.

Was sich liest wie eine Revolution, ist in Wirklichkeit keine. Die IG Metall will lediglich erreichen, dass Arbeitnehmer das Recht bekommen, für zwei Jahre ihre Arbeitszeit bei gleichem Stundenlohn auf 28 Stunden zu reduzieren und anschließend zur 35-Stunden-Woche zurückzukehren.

Das Recht auf Teilzeit (weniger Arbeiten) ist bereits gesetzlich festgelegt. Der Gewerkschaft geht es darum, dass Beschäftigte nach einer Teilzeit wieder in die Vollzeit zurückkehren dürfen.

Arbeitgeber lehnen Forderungen ab

Die Arbeitgeber lehnten insbesondere die Forderungen zur Arbeitszeit ab. Schon heute würden für die "allermeisten Arbeitszeitwünsche" in den Betrieben passenden Lösungen gefunden, erklärte Gesamtmetall- Präsident Rainer Dulger. Ein zusätzlicher Anspruch auf Arbeitszeitverkürzung aber werde den Fachkräftemangel weiter verschärfen. "Weil qualifiziertes Personal fehlt, bleiben schon jetzt oft Aufträge liegen." Zudem gefährde die IG Metall mit ihren kostentreibenden Forderungen künftige Investitionen am Standort Deutschland.