IG Metall: Deutsche arbeiten zu viel - "Keine Arbeitszeiten, die zum Leben passen"

Weniger Arbeit, mehr Freizeit - das fordert die IG Metall.
© dpa, Patrick Pleul, ppl pzi dna

22. Mai 2017 - 14:48 Uhr

Viele Arbeitnehmer wollen Arbeitszeit zeitweise absenken

Kennen Sie das Gefühl, dass neben der Arbeit die Freizeit zu kurz kommt? Dann sind Sie nicht allein: Laut einer Umfrage unter 680.000 Teilnehmern wünscht sich mit 67,9 Prozent die große Mehrheit eine 35-Stunden-Woche oder noch kürzere Arbeitszeiten. 82,3 Prozent würden gerne die Arbeitszeit zeitweise absenken, etwa um Kinder zu erziehen, Angehörige zu pflegen oder sich beruflich weiterzubilden.

Gewerkschaft will "das Mantra der Arbeitgeber durchbrechen"

Die IG Metall, die Gewerkschaft der Arbeitnehmer, will die Arbeitsbelastung in Deutschland nun zum Thema der Tarifverhandlungen machen. "Wir müssen das Mantra der Arbeitgeber - Vollzeit plus Überstunden plus Flexibilität plus Leistungsdruck - durchbrechen. Das sind keine Arbeitszeiten, die zum Leben passen", so Gewerkschaftschef Jörg Hofmann.

In der Industrie Metall und Elektro schreibt der Tarifvertrag in Westdeutschland seit 1995 eine 35-Stunden-Woche vor, in Ostdeutschland sind es 38 Stunden pro Woche. In der Realität arbeite aber ein großer Teil der Belegschaft selbst in tarifgebundenen Unternehmen deutlich länger, kritiserte Hofmann.

Arbeitgeberverband hält dagegen

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall verlangt kostenneutrale und flexible Arbeitszeitregelungen. Systematische, flächendeckende und unkompensierte Arbeitszeitverkürzungen passten definitiv nicht in die Zeit, teilte der Verband mit.

Abwanderungen wegen des bereits verbreiteten Fachkräftemangels wären die Folge. Der Verband verwies auch auf eine eigene, bereits im März veröffentlichte Umfrage zu dem Thema. Diese zeige überdeutlich, dass eine kollektiv finanzierte Arbeitszeitverkürzung keinen Rückhalt bei den Beschäftigten habe. "Wer persönliche Auszeiten nehmen will, soll sich die selber erarbeiten, so das klare Votum der Beschäftigten."

Eine harte Konfrontation in der Tarifrunde scheint daher nicht ausgeschlossen. In einem Interview mit der 'Stuttgarter Zeitung' warnte der Bezirksleiter der IG Metall Südwest, Roman Zitzelsberger, die Arbeitgeber, von den Beschäftigten immer mehr zu fordern. Zeitsouveränität solle offenbar nur gegen noch mehr Flexibilität gewährt werden.