Idlib in Syrien: Warten auf die unvermeidliche Katastrophe

14. September 2018 - 14:24 Uhr

Der letzte Rückzugsort der Rebellen

Ein Mann zieht einem Kind eine Plastikfolie mit einem eingeklebten Pappbecher über den Kopf - eine provisorische Gasmaske, falls das syrische Regime wieder Giftgas einsetzt. "Das wird hoffentlich die Auswirkungen des Gases etwas mindern", hofft er. Mehr kann der Mann aus Idlib nicht tun. Die hilflos zusammengeklebte Maske ist symbolisch für die Hilflosigkeit der Bevölkerung in der Region. Hier droht die womöglich letzte große Schlacht des verheerenden syrischen Bürgerkrieges. Die Provinz im Nordwesten des Landes ist Rückzugsort für Zehntausende Rebellen, darunter auch viele Islamisten und die Miliz Haiat Tahrir al-Scham mit Verbindungen zu Al-Kaida.

Assad will Idlib zurück

Nach einer Reihe von Eroberungen in der Vergangenheit will Syriens Präsident Baschar al-Assad auch Idlib zurückerobern. Er hat Truppen zusammengezogen, doch nach schweren Luftangriffen blieb es zuletzt ruhig. Das Schicksal der Provinz entscheidet sich in diesen Tagen. "Die Lage der Menschen in Idlib ist die schlimmste seit Beginn der Revolution 2011", sagt der 28-jährige Ludschain, der mit seiner Frau und seinem Baby in der gleichnamigen Provinzhauptstadt Idlib lebt. Alles, was sich noch gegen Assad stemmt, ist in Idlib. Viele flohen aus anderen Orten, die Opfer von Giftgasangriffen und der Zerstörungswut der syrischen Armee wurden. Um das Unheil - erst der Bombenhagel und dann die Bodenoffensive - noch abzuwenden, hoffen sie unter anderem auf das Nachbarland Türkei.

"Wir sind mehr als drei Millionen, wollen die etwa, dass wir abgeschlachtet werden?"

Ankara tritt als Schutzmacht der Rebellen auf und will eine Offensive mit allen Mitteln verhindern. Diplomatische Versuche scheiterten zuletzt aber. Es wird befürchtetet, dass Hunderttausende in Richtung der nahen türkischen Grenze drängen könnten. Doch die ist dicht. Deswegen müssen die Menschen in Idlib weiter warten, warten auf die Katastrophe, von der sie wissen, dass sie kommt, nur nicht wann. Für viele ist es wahrscheinlich auch ein Warten auf den Tod, wenn nicht noch ein diplomatisches Wunder geschieht. "Das Echo dieser Schlacht wird noch in der Türkei, in Europa und der ganzen Welt zu hören sein. Wir sind mehr als drei Millionen, wollen die etwa, dass wir abgeschlachtet werden?", fragt eine Bewohnerin. Wie die aktuelle Lage in Idlib ist, sehen Sie im Video.