"Ich würde es noch einmal genauso tun": Mutter und Entführerin von Lara (8) bereut nichts

21. Dezember 2017 - 15:24 Uhr

Vater in Deutschland hatte das Sorgerecht

Das Kindeswohl ist immer eine sensible Sache. Und die Beziehung zwischen Justiz, Selbstjustiz und Gerechtigkeit ist in manchen Fällen extrem heikel, wie der seit Jahren andauernde Sorgerechtsstreit um die acht Jahre alte Lara anschaulich beweist. Die juristischen Fakten des Falles für sich genommen mögen jeweils eindeutig sein, im Zusammenhang verwirren sie: Der Vater bekommt das Sorgerecht, die Mutter entführt das Kind, die Mutter wird wegen Entführung verurteilt, das Kind kommt zurück zum Vater, die Mutter ins Gefängnis.

Straftat schuf Voraussetzungen für das Urteil

Nach Verbüßen der Strafe hat der Vater noch immer das Sorgerecht, die Mutter entführt das Kind erneut, setzt sich nach Polen ab und kann drei Jahre nicht juristisch zur Rechenschaft gezogen werden. Vater und Kind entfremden sich. Als nun ein polnisches Gericht ein Urteil fällen soll, wird zum Wohl des Kindes entschieden, es soll bei seiner Mutter bleiben. Ein deutsches Gericht schließt sich dieser Entscheidung an. Es urteilt einer Situation gemäß, es ist klar, dass das Kindeswohl Vorrang hat.

Die Voraussetzungen für diese Situation aber schuf eine Straftat, die im Moment ungeahndet bleibt. Das ist natürlich für den Vater nur sehr schwer zu verstehen und zu akzeptieren. Der Mutter mag es gerecht erscheinen. Aber was ist es im Sinne der Justiz? Laut den verschiedenen Urteilen ist es Recht und Unrecht zu gleich. Die Mutter hat sich das Sorgerecht widerrechtlich angeeignet, und darf es zurzeit rechtlich ausüben. Bestärkt durch das momentan geltende Urteil, wagt sie sich vor die Kamera. Laras Mutter bereut die Straftat nicht, sie würde jedes Mal wieder so handeln, wie sie es jetzt getan hat.

Beide sehen sich im Recht

Laras Vater kann die Welt nicht mehr verstehen und zweifelt möglicherweise an der Justiz. Er muss ohne seine Tochter leben, obwohl er doch offiziell im Recht war und juristisch nichts falsch gemacht hat. Laras Mutter setzt der verfahrenen Situation die Krone auf, in dem sie vor der Kamera sagt, sie habe nichts dagegen, wenn auch der Vater das Kind regelmäßig sieht. "Ich wäre die Letzte, die ihm Besuche verbieten würde. Man muss aber auch lernen, damit erwachsen umzugehen", sagt Joanna Sontowska, die Frau, die ihr Kind zweimal verschleppt und versteckt hat und deshalb im Gefängnis saß.

"Ich werde, solange ich die elterliche Verantwortung habe, und die habe ich ja immer noch, weiterhin versuchen, meine Tochter zu schützen. Das heißt: Ich werde auch gegen dieses ungerechte Urteil vorgehen", hält Vater Thomas Karzelek dagegen.

Am Ende verliert das Kindeswohl

Wenn eines deutlich wird an diesem Fall, der nun zum Wohle des Kindes gelöst werden soll, dann  dieses: Wenn sich die Eltern in einem gnadenlosen Sorgerechtsstreit verlieren und auch vor Unrecht nicht Halt machen, dann kann eigentlich nur das Kindeswohl verlieren.