Das Leben kann nicht weitergehen wie bisher

Ich, ich, ich - das brauchen wir in Zeiten von Corona überhaupt nicht!

Ein Mann joggt im Park am Friedrichshain an Krokussen vorbei. Foto: Soeren Stache/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Ein Mann joggt im Park am Friedrichshain an Krokussen vorbei. Foto: Soeren Stache/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
© dpa, Soeren Stache, soe exa

17. März 2020 - 16:02 Uhr

Ein Kommentar von Nadine Schullerus

In Berlin sollen demnächst viele Läden geschlossen bleiben und für Restaurants gelten begrenzte Öffnungszeiten für Restaurants. Auch Spielplätze und Fitness-Studios machen dicht. All das soll die Ausbreitung des Virus verhindern. Man sollte meinen, auch die Berliner hätten jetzt verstanden, worum es geht. Wer seine Wohnung verlässt, bekommt einen anderen Eindruck.

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Nichts deutet hier auf Krise hin

Der Volkspark Friedrichshain am Morgen. Nichts, aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass wir es auch in der Hauptstadt mit einer Krise namens Corona zu tun haben. Da drehen Jogger in Gruppen ihre Runden. Auch die fröhliche Walking-Truppe setzt auf "gemeinsam macht's doch mehr Spaß". An den Outdoor-Fitness-Geräten ist sogar mehr los als sonst.

Mindestens ein Dutzend Männer ist mit Klimmzügen und Liegestütze beschäftigt. Es wird fröhlich rumgeschnäuzt und ausgespuckt. Zwischendurch noch das obligatorische Foto für Instagram, soll doch die halbe Welt sehen, dass man sich hier an keine Empfehlung hält.

"Volksfeststimmung" im Park

Wer als älterer Mensch hier im Park mit dem Hund die Runde dreht, muss aufpassen, dass er nicht vom joggenden Familienvater mitsamt seinem Zwillingskinderwagen umgemäht wird. Abstand? Fehlanzeige. Der Fünfjährige braust hustend an Oma vorbei? Wir erziehen eben anti-autoritär. Spielplätze geschlossen? Bitte nicht für Anton, Emma und ihre fünf Freunde.

Ähnliches höre ich aus Köln. Volle Eisdielen bei Sonnenschein und "Volksfeststimmung" im Beethoven-Park.

Nach dem Motto: Jeder ist sich selbst der Nächste. Das zeigt sich ja schon seit Tagen in den Supermärkten. Nudeln, Reis, Konserven – alles weggehamstert. In einer Berliner Drogerie prügelte sich am Wochenende eine Kundin fast ums Klopapier. Es gilt das Motto "ich, ich, ich". Und das in Zeiten, wo es aus Rücksicht auf ältere, schwächere Mitbürger und aus Rücksicht auf unser Gesundheitssystem mal genau anders ein sollte.

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So bleibt den Berhörden am Ende nur die Ausgangssperre

Offenbar können sich viele gar nicht vorstellen, was ein Kollaps des Gesundheitssystems bedeuten würde. Was es für Ärzte heißt, wie in Italien über Leben und Tod zu entscheiden. Was es heißt, als Krankenschwester bis zur Erschöpfung zu arbeiten. Hier geht man halt lieber zum Jogging-Date und macht noch eine Instagram-Story draus.

Geht das so weiter, wird den Behörden kaum etwas anderes übrig bleiben, als eine Ausgangssperre wie in Italien, Frankreich oder Spanien zu verhängen. Sowas kommt von sowas, wie es so schön heißt.

Die Alternative heißt: soziale Kontakte reduzieren, Abstand halten, zu Hause bleiben und es mal mit dieser fancy Sache namens Rücksicht zu versuchen. Bleibt gesund