Alles nur untergeschoben?

RTL konfrontiert einen der mutmaßlichen NSU-2.0-Drohmail-Schreiber

30. Juli 2020 - 22:26 Uhr

Affäre um Drohmails "NSU 2.0"

Es geht um beleidigende, volksverhetzende und drohende Inhalte an Politiker und verschiedene andere Adressaten. Diese soll ein ehemaliger Polizist aus Landshut verschickt haben. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wirft ihm vor, in die Drohschreiben-Serie "NSU 2.0" verwickelt zu sein. RTL weiß, um welchen Mann es sich handelt. Unser Reporter Christof Lang konfrontierte den mutmaßlichen Drohmail-Schreiber mit den Vorwürfen – seine Reaktion zeigen wir im Video.

Beschuldigter: „Pumpgun“ ist nur Dekowaffe

Der Fall beschäftigt seit Tagen die Behörden in Frankfurt und München. Jetzt geht es auch um illegale Waffen. "Unabhängig von den Drohmails ist bei der Durchsuchung auch ein Waffenfund gemacht worden. Er hat einerseits einen Waffenschein und ist legal im Besitz von zwei Schusswaffen. Es sind darüber hinaus aber noch drei illegale Schusswaffen bei der Durchsuchung des Hauses aufgefunden worden", bestätigte der bayrische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) RTL.

Im Gespräch mit RTL-Reporter Christof Lang erzählt der Beschuldigte, dass ihm im Zusammenhang mit den Waffen ein Fehler unterlaufen sei. Die Geräte würden aus dem Erbe seines Vaters stammen. Er habe versäumt, sie anzumelden. Die sichergestellte "Pumpgun" sei lediglich eine umgebaute Dekowaffe.

Ex-Polizist: „Ich bin unschuldig“

Der pensionierte Polizist wehrt sich gegen den Vorwurf, die Drohmails verschickt zu haben. "Das ist nicht mein Stil, das würde ich nie tun und das verurteile ich", erzählt er im Interview mit RTL. Er beteuert, die Drohmails seien ihm untergeschoben worden. An das Ende der besagten E-Mails soll ein Unbekannter seinen Namen und seine Adresse gesetzt haben. Wer? Das könne er sich nicht erklären. Der 63-Jährige sagt, er habe Feinde, weil er im Internet blogge.

Der Ex-Polizist schreibt für "PI News", ein anti-islamisches Internet-Portal, das im Visier des Verfassungsschutzes stand. Seine Themen: Müll vor Flüchtlingsunterkünften, interkulturelle Beziehungen und deren Gefahrenpotenzial oder afghanische Prügel-Treibjagd auf Passanten. Dabei schreibt er unter dem Pseudonym "Eugen Prinz" – Prinz Eugen war ein christlicher Feldherr.

"Wenn man für einen sogenannten 'rechtsgerichteten Blog' schreibt, hat man immer Feinde", sagt der Beschuldigte im Interview. Rechtsradikal sei er aber nicht. "Es ist mir egal, welche Hautfarbe die Leute haben. Hauptsache sie fassen Deutschland als ihre Heimat auf und wollen für unser Land etwas beitragen", so der Ex-Polizist.

Sagt er die Wahrheit?

RTL-Reporter Christopf Lang hat vor Ort in Landshut mit dem Beschuldigten gesprochen. Seine Einschätzung:

"Wenn man ihn hört, könnte man ihm schon glauben, aber man kann in Menschen nicht hineinsehen. Aber klar ist auch: Er ist ein Blogger auf Webseiten, die als ausländerfeindlich durchgehen können. Auf jeden Fall wäre es eine überraschende Wendung, wenn ihm tatsächlich jemand diese Drohmails untergeschoben haben sollte. Letztlich wird man das im Laufe der Ermittlungen herausfinden."

Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz ermitteln

Die Ermittlungen laufen: Am vergangenen Freitag waren der 63 Jahre alte Ex-Polizist und seine 55 Jahre alte Ehefrau vorläufig festgenommen worden. Neben der Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt auch der bayrische Verfassungsschutz. Schon in der Vergangenheit soll der Verdächtige nach Angaben der Staatsanwaltschaft wegen rechtsmotivierter Straftaten polizeilich in Erscheinung getreten sein.

Was ist der "NSU 2.0"?

Als NSU hatten sich die Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bezeichnet, die zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen ermordeten. Es waren acht türkischstämmige und ein griechischstämmiger Kleinunternehmer sowie eine Polizistin. Ihre Mittäterin Beate Zschäpe wurde 2018 verurteilt.

Seit 2018 sind bei mehr als 70 Politikern und anderen Personen des öffentlichen Lebens Drohmails eingegangen, die mit "NSU 2.0" unterzeichnet waren. In einigen Fällen sollen den Drohschreiben ungeklärte interne Abfragen an Polizeicomputern vorausgegangen sein, bei denen persönliche Daten der Opfer eingesehen wurden.

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