"Ich bin kein Tier!" - Asylbewerber Marwan Rahmani spricht über Foltermartyrium im Flüchtlingsheim Burbach

20. Oktober 2014 - 11:49 Uhr

"Als sie die Fotos gemacht haben, war ich schon K.o."

Das Foto hat viele Menschen in Deutschland geschockt: Gefesselt liegt ein Asylbewerber halb bewusstlos am Boden, schwer misshandelt von fünf Wachmännern. Was am 15. August 2014 im Flüchtlingsheim Burbach passiert ist, beschäftigt jetzt die Staatsanwaltschaft. Uns hat das Folteropfer erzählt, was es in seiner "Zufluchtsstätte" noch erleben musste, und wie die Gewalt sein Leben verändert hat.

Burbach Flüchtlingsheim Asylbewerber Marwan Rahmani misshandelt
Marwan Rahmani: Das Foto seiner Misshandlung verbreitete sich wie ein Lauffeuer in den Medien.
© dpa, Polizei NRW

Marwan Rahmani kann nur mit dem Kopf schütteln, als er das Bild sieht. Die Gewalt steckt ihm noch immer in den Knochen. Immer wieder muss er an diesen Moment denken: Der Algerier soll von fünf Mitarbeitern der privaten Security-Firma 'European Homecare' gefoltert worden sein. Angeblich, weil an diesem Tag, wie Rahmani sagt, eine Flasche aus dem Fenster seines Zimmers gefallen war.

"Als sie die Fotos gemacht haben, war ich schon K.o. Jeder hat ein Foto gemacht, der eine so, der andere so", erinnert sich Rahmani zurück. "Als wäre ich ein Tier. Ich bin kein Tier!" Seine Peiniger ketteten den 28-Jährigen an die Heizung, sprühten ihm Reizgas ins Gesicht, traten und schlugen mit Schlagstöcken immer wieder zu. So schildert es Rahmani unserem Reporter und so steht es auch in der aktuellen 'Stern'- Ausgabe geschrieben.

Trotz Martyrium: Rahmani möchte in Deutschland bleiben

Vor zwei Monaten kam der junge Mann ins Flüchtlingsheim in Burbach. Hinter ihm liegt eine Odyssee von Algerien, über Lampedusa, Italien, Frankreich, Belgien bis nach Deutschland. Schon bei seiner Ankunft in Burbach soll er von anderen Flüchtlingen gewarnt worden sein. Rassisten wären unter dem Personal, die die Asylbewohner schikanieren und misshandeln würden. Es dauerte nicht lange bis Rahmani das am eigenen Leib erfahren musste. Der 15. August hat sich tief in seine Seele eingebrannt. "Ich kann abends nicht einschlafen. Sie haben mir Tabletten gegeben, damit ich besser schlafen kann, aber die bringen nichts."

Sein Fall hat mittlerweile Konsequenzen nach sich gezogen: 'European Homecare' ist der Auftrag für das Flüchtlingsheim in Burbach entzogen worden. "Niemand wird mehr in Deutschland eine Flüchtlingsaufnahmeeinrichtung betreten, der nicht sicherheitsüberprüft worden ist", versichert Nordrhein-Westfalens Innenminister, Ralf Jäger (SPD). Gegen Marwans Peiniger wird ermittelt. Obwohl ihn die Männer geschlagen und gefoltert haben sollen, denkt der Algerier nicht daran, Deutschland zu verlassen. Er möchte bleiben. Sein Antrag auf Asyl läuft.