"Ich bin enttäuscht von Europa" – der Streit mit der Türkei nimmt kein Ende

14. März 2017 - 18:48 Uhr

"Kümmert euch um das Regieren eures Landes"

Der Streit um die Wahlkampfauftritte türkischer Politiker scheint kein Ende zu nehmen, nach dem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Niederländer als Nachfahren der Nazis bezeichnet hat, hat die Bundeskanzlerin klar gemacht, dass das zu weit geht.

"Diese Vergleiche führen völlig in die Irre. Sie verharmlosen das Leid, gerade im Blick auf die Niederlande, die so gelitten haben unter dem Nationalsozialismus, ist das völlig inakzeptabel. Und deshalb haben die Niederlande meine volle Unterstützung und Solidarität", sagte Angela Merkel.

Auch Martin Schulz warnte vor Wahlkampfauftritten türkischer Politiker im Ausland. "Das halte ich vom Grundsatz für gefährlich. Mein Appell an die türkische Regierung: Kümmert euch um das Regieren eures Landes", sagte auch der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.

Die Krise hilft Erdogan, seine Position zu festigen

Sonst ist zwar eher Fingerspitzengefühl gefordert, wenn es um Konflikte mit der Türkei geht, aber diese Provokationen Erdogans konnte sich Merkel nicht länger gefallen lassen. Denn damit werden diplomatische Grenzen überschritten.

Das scheint den türkischen Präsidenten wenig zu kümmern, denn der befindet sich mitten im Wahlkampf. Ein Referendum soll ihm helfen, seinem Amt mehr Macht zu verleihen. Und sein Kurs funktioniert offenbar. RTL-Chefkorrespondentin Antonia Rados berichtet, dass das Lager des Präsidenten seit dem Konflikt mit den Niederländern zwei Prozentpunkte dazugewonnen habe. Seine Gegner fürchten, dass die diplomatische Krise Erdogan hilft.

Und der Konflikt spitzt sich immer weiter zu. Ankara hat nun niederländischen Diplomaten die Landeerlaubnis entzogen. Der Türkische Luftraum sei für sie ab sofort gesperrt. Auch der niederländische Botschafter, der sich zurzeit im Ausland aufhalte, dürfe vorerst nicht in die Türkei zurück.

Viele Türken stehen hinter ihrem Präsidenten

Auch die Niederländer reagierten prompt auf den Nazi-Vergleich. Sie verschärften die Reisewarnungen für Türkei-Touristen. Nicht ohne Grund, denn in Sozialen Medien zerdrücken Erdogan-Anhänger immer wieder Orangen, die Niederländer symbolisieren sollen, wie Antonia Rados berichtet.

Eine junge Frau auf der Straße glaubt zwar, dass die Türkei diesmal zu weit gegangen ist, viele Türken stehen aber voll hinter ihrem Präsidenten. "Ich bin enttäuscht von Europa und alle meine Freunde, die dort leben, ebenfalls, wegen des Ansteigens des Rechtspopulismus", erklärt Meyram Ilayda Atlas, die für die 'Sabah'-Zeitung arbeitet. Zu spüren bekommen wird das vor allem die Tourismus-Branche im Land. Es kommen ohnehin schon weniger Urlauber in die Türkei – jetzt bleiben auch noch die Niederländer aus.