Haftbefehl wegen Mordes erlassen

ICE-Schubser Habte A. (40) galt als gut integriert

1. August 2019 - 11:56 Uhr

Habte A. wurde dem Haftrichter vorgeführt

Der mutmaßliche ICE-Schubser Habte A. muss in Untersuchungshaft. Ein Richter hat am Dienstag Haftbefehl gegen den 40-Jährigen erlassen. Der Vorwurf: Mord und versuchter Mord in zwei Fällen. Das Video zeigt, wie er zum Haftrichter geführt wird.

Mordverdächtiger galt als gut integriert

Habte A. stammt aus Eritrea. Er ist 40 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder (1,3 und 4). Mit seiner Familie lebte er in der Schweiz, dort galt er als vorbildlich integriert. Doch er hatte offensichtlich auch eine andere Seite: Der 40-Jährige ist polizeibekannt. Erst vergangene Woche löste der 40-Jährige in seinem Mehrfamilienhaus in der Schweiz einen Polizeieinsatz aus.

Er hatte eine Nachbarin nach einem verbalen Streit mit einem Messer bedroht und anschließend in ihrer Wohnung eingesperrt. Im Haus soll er auch seine Ehefrau und die drei Kinder eingeschlossen haben. Die Polizei konnte alle in Sicherheit bringen. A. war zu dem Zeitpunkt bereits geflüchtet und wird seitdem in der Schweiz per Haftbefehl gesucht.

Laut Polizei gaben sowohl die Nachbarin als auch seine Ehefrau an, dass der Gewaltausbruch des Mannes für sie überraschend gewesen sei. "Sie sagten übereinstimmend aus, dass sie ihn noch nie so erlebt hätten", sagte ein Polizeisprecher.

Habte A. kam 2006 als Asylbewerber in die Schweiz

Der 40-jährige Habte A. ist 2006 unerlaubt in die Schweiz eingereist, nachdem er aus seinem Heimatland Eritrea geflüchtet war. Im Jahr 2008 wurde ihm Asyl gewährt. Nach Angaben der Bundespolizei galt er als gut integriert.

So taucht er auch in einer Schweizer Broschüre als gelungenes Beispiel für Integration auf. "Mir gefällt, dass hier jeder Hilfe bekommt, egal ob er arm oder reich ist", sagte er. "Und jeder kann essen, und die Existenz ist gesichert. Hier ist die Erste Welt".

In der Schweiz bemühte er sich um eine Festanstellung bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) und erzählte im Interview, er habe "gearbeitet und gearbeitet". Als sein Vorgesetzter schließlich sagte, dass er dauerhaft bei den VBZ bleiben könne, äußerte er: "Bei der Arbeit haben mir die VBZ eine Chance gegeben und ich möchte diese nutzen. Es wäre schön, wenn ich in 25 Jahren noch hier bin". Er fügte hinzu: "Privat wünsche ich mir, dass meine drei Kinder ein besseres und leichteres Leben haben als ich."

Habte A. war in psychiatrischer Behandlung

Seit Januar 2019 hat A. nicht mehr gearbeitet, weil er in psychiatrischer Behandlung war. Das teilte die Kantonspolizei Zürich am Dienstag mit. Hinweise auf eine Radikalisierung oder ideologische Motive des Täters seien bei den Ermittlungen und der Hausdurchsuchung nicht gefunden worden. 

Seehofer spricht von einem "kaltblütigen Mord"

Innenminister Horst Seehofer hatte bereits in einer Pressekonferenz am Dienstag von einem "kaltblütigen Mord" gesprochen. Ein solches Ereignis mache fassungslos und "trifft uns mitten ins Herz", so Seehofer.