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Ice-Bucket-Challenge mit Hanf: Was macht der Özdemir da?

Ein Kommentar von Tobias Elsaesser

Grünen-Chef Cem Özdemir will nicht abseits bleiben, auch er greift zum Eimer. Sein Beitrag zur Ice-Bucket-Challenge und der Kampagne gegen die Krankheit ALS kommt zunächst unspektakulär daher. Er steht auf einem Balkon, wird seinen Satz los, dann fließt das Eiswasser und gut, wäre einigen findigen Beobachtern nicht das 'Setting' der Szene extrem unangenehm, unpassend oder aber auch lustig und positiv, je nach Einstellung und Gewohnheit, aufgestoßen.

Cem Özdemir: Hanf-Ice-Bucket-Challenge
Ice-Bucket-Challenge: Noch etwas anderes als Selbstdarstellung?

Am Orte des Geschehens steht neben dem guten Mann der guten Tat für den guten Zweck eine Pflanze – für einen Balkon im Sommer nicht unüblich. Hierbei handelt es sich jedoch um eine Hanfpflanze, aus der man bekanntlich Cannabis gewinnen kann. Auch das ist möglicherweise für viele Balkons nicht unüblich, aber nicht erlaubt. Ein 'Faux Pas' des Politikers?

Eigentlich kaum vorstellbar. Denn nach dem Mutmaßen über die Pflanzenart und das Entbrennen der Diskussion um den ALS-Ice-Bucket-Challenge-Beitrag des Politikers, bestätigte Özdemir gegenüber der 'Bild': "Ja, es ist eine Hanfpflanze." Und er fügt hinzu: "Ob jemand Cannabis konsumieren möchte und die damit verbundenen Risiken eingeht, sollte in einer freien Gesellschaft der Bürger selbst entscheiden. Klar ist: Kein Cannabis unter 18 Jahren. Im Video zu meiner Ice-Bucket-Challenge hatte ich dazu ein sanftes, politisches Statement eingebaut."

Unangenehme Fragen

Ein sanftes politisches Statement geht da also hinab von einem Balkon in die Gesellschaft, ein Plädoyer zur Legalisierung von Cannabis. Ganz beiläufig, ohne ein Wort, während einer guten Tat. Nun könnte man Cem Özdemir vorwerfen, die ALS-Kampagne schamlos zu missbrauchen, um sich selbst zu profilieren. Aber ist dieses sich mit Eiswasser Begießen nicht mittlerweile zu bloßer Selbstdarstellung verkommen?

Möglicherweise ist das ja auch ein Teil von Özdemirs Statement, schwer zu sagen. Andererseits muss man sich fragen, ob der Mann nicht komplett irre ist, dass er auf einem Balkon mit einem Eimer Eiswasser neben einer Hanfpflanze möglicherweise politischen Selbstmord begeht? Denn auch wenn er von einem "sanften politischen Statement" spricht und das Ganze eigentlich ziemlich lustig ist, so ist dieses Statement nicht vom Gesetz gedeckt und könnte unangenehme Fragen seitens der Strafverfolgungsbehörden nach sich ziehen, zum Beispiel auf wessen Balkon er da steht. Ist das seiner? Wenn nicht, neben wessen Pflanze steht er dann?

Er hat sich bei den meisten sicher nicht beliebter gemacht. Und egal, wie man zu der Aktion Özdemirs steht: Es darf bezweifelt werden, ob er es mit seinem Statement erreicht, die öffentliche Diskussion über eine Legalisierung von Cannabis anzustoßen. Eher wird es darum gehen, ob der Özdemir kifft, was niemanden weiterbringt.



Tobias Elsaesser wurde in Hildesheim geboren und studierte Anglistik und Latein an der Universität zu Köln. Allerdings eher im „Nebenfach“ – denn er arbeitete schon während des Studiums bei RTL, was das Studium ins Hintertreffen brachte. Dort wechselte er nach einigen Fernsehjahren in die Online-Redaktion. Den Ärger über aktuelle Themen die ihn (zu sehr) bewegen, versucht er auf dem Rennrad oder mit der Musik von Bruce Springsteen hinter sich zu lassen.

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