Ibrahimovic zaubert Schweden gegen Frankreich zum Sieg

Stets bemüht, aber ohne Durchschlagskraft: Franck Ribery blieb wie seine Kollegen gegen Schweden blass.
Stets bemüht, aber ohne Durchschlagskraft: Franck Ribery blieb wie seine Kollegen gegen Schweden blass.
© dpa, Srdjan Suki

21. Juni 2012 - 17:27 Uhr

Ein Sieg gegen den Geheimfavoriten, ein Zaubertor, aber kein Viertelfinal-Ticket: Schweden hat sich am letzten Spieltag der Gruppe D mit einem Sieg gegen Frankreich von der EURO verabschiedet. Im mit 60.000 Zuschauern ausverkauften Olympia-Stadion in Kiew erzielten Zlatan Ibrahimovic (54.) und Sebastian Larsson (90.) die Treffer für die Skandinavier, die harmlose Franzosen zeitweise an die Wand spielten, nach der Vorrunde aber trotzdem schon wieder nach Hause fahren müssen.

Obwohl es für die Schweden nach zwei Pleiten nur noch um die allseits unbeliebte goldene Ananas ging, waren die 'Tre Kronor' zunächst das agilere Team. Vor allem über die linke Seite fuhr die Mannschaft von Trainer Erik Hamren den ein oder anderen gefälligen Angriff. Nach Flanke von Kim Källström scheiterte Larsson mit einem Kopfball an Frankreichs Schlussmann Hugo Llrois (4.).

Während die Schweden vorne selbstbewusst zur Sache gingen, schlotterten dem Defensivverbund in der Anfangsphase ordentlich die Knie. Eine Bogenlampe von Andreas Granqvist landete vor den Füßen von Franck Ribery, der aus spitzem Winkel aber seinen Meister in Keeper Andreas Isaksson fand (8.). In der Folge ließ die Mannschaft von Coach Laurent Blanc allerdings jede spielerische Linie vermissen.

Anders die Schweden: Aus einer dicht gestaffelten Abwehr lauerten die Skandinavier auf Konter, die die Verteidigung der 'Bleus' schon vor große Herausforderungen stellten. Philippe Mexes verschätzte sich bei einem langen Ball, so dass Ola Toivonen plötzlich Keeper Lloris ausspielte, mit seinem Schuss jedoch nur den Außenpfosten traf (13.).

Nach einer munteren Anfangsviertelstunde verflachte die zweikampfbetonte Begegnung. Schweden fehlte die Motivation, auf Sieg zu gehen, Frankreich die Mittel, um Chancen herauszuspielen. Ribery bemühte sich zwar redlich, dem Spiel eine Linie zu geben, doch auch der Bayern-Star wusste mit dem sich ihn bietenden Räumen herzlich wenig anzufangen. Als sich der Flügelflitzer ein Herz nahm und aus der Distanz draufhielt, warf sich Olof Mellberg todesmutig in die Schusslinie (45.).

Was die 60.000 Zuschauer in der 1. Halbzeit insgesamt für ihr Geld sahen, dürften so manchen mit Blick auf die Eintrittspreise die Tränen in die Augen getrieben haben: Chancen waren Mangelware, im Mittelfeld plänkelte das Spiel vor sich hin. Sowohl Schwedens Superstar Ibrahimovic als auch Frankreichs hoch gelobter Angreifer Karim Benzema wirkten so beweglich wie der Eifelturm in Paris. Als der stets umsichtige Schiedsrichter Pedro Proenca pünktlich in seine Pfeife trällerte, waren sie dann aber gezwungen, in die Kabinen zu trotten.

Ibrahimovic und Larsson lassen Schweden jubeln

Ibrahimovic zaubert Schweden gegen Frankreich zum Sieg
Jubel in gelb-blau: Zlatan Ibrahimovic brachte Schweden gegen Frankreich auf die Siegerstraße.
© dpa, Srdjan Suki

Dort muss besonders Schwedens Trainer Hamren seinen Jungs ordentlich den Marsch geblasen haben. Die 'Blagult' feuerten nach dem Pausentee ein wahres Offensiv-Feuerwerk ab. Nachdem Lloris einen Schuss von Larsson noch mit den Fingern entschärfen konnte (53.), war der Schlussmann nur eine Minute später machtlos: Ibrahimovic zeigte, warum er zu den besten Stürmern Europas gehört, indem er eine Flanke per Seitfallzieher unhaltbar in die Maschen drosch.

Wer gedacht hatte, dass Frankreich jetzt aufwacht, sah sich getäuscht – im Gegenteil: Schweden machte weiter das Spiel und schoss Lloris die Finger wund. Erst entschärfte der Keeper einen platzierten Schuss von Wilhelmsson (57.), dann zwang ihn Olof Mellberg mit der Hacke zu einer Glanzparade (58). "Wir wollten unbedingt noch ein Spiel gewinnen, daher sind wir sehr glücklich, auch für unsere Fans", lobte Hamren sein Team.

Die Franzosen, die nach einer Stunde mit dem Ergebnis noch gut bedient waren, erholten sich nur langsam von der gelb-blauen Angriffswelle. Besonders die Zweikampfschwäche stimmte Trainer Blanc nachdenklich. "Wir wurden in jedem Areal des Platzes geschlagen, da kann man nicht gewinnen", sagte Blanc, der mit seiner Mannschaft hart ins Gericht ging: "Schweden spielte für die Ehre - und das hat gegen ein sehr durchschnittliches Frankreich gereicht" - womit er Recht hatte.

Wie schon gegen England blieb die 'Equipe Tricolore' hinter ihren Erwartungen zurück. Dass es Sami Nasri und Yann M'Vila nur aus der Distanz probierten (64./71.), war ein Indiz dafür, dass dem Geheimfavoriten weiterhin jegliche Kreativität in der Offensive fehlt. Glückte eine Kombination, war es ein Zufallsprodukt oder resultierte aus einer Standardsituation. Der gerade eingewechselte Giroud vergab die beste Chance, indem er eine Ecke haarscharf am Tor vorbeiköpfte (83.).

Mexes, der sich seine zweite Gelbe Karte im Turnier abholte und damit am Samstag im Viertelfinale gegen Spanien gesperrt ist, und Larsson machten den schwarzen Abend für Frankreich perfekt: Nachdem Samuel Holmen an der Latte scheiterte, nutzte der Außenstürmer den Abpraller und hämmerte das Leder zum verdienten Sieg ein. Dennoch bleibt den Schweden nur die bittere Erkenntnis, nach drei ordentlichen Spielen und dem vielleicht schönsten Treffer der EURO schon wieder die Heimreise antreten zu müssen.