Hyalomma-Zecke hat erstmals in Deutschland überwintert

11. Juni 2019 - 15:10 Uhr

Sie sind wesentlich größer als die hier bekannten Zecken, sie können Menschen wittern und Dutzende Meter weit verfolgen. Nun haben Hyalomma-Zecken aus Afrika und Südeuropa das erste Mal nachweislich in Deutschland überwintert. 

Die Hyalomma ist wesentlich größer und hat gestreifte Beine

Es seien nach den jüngsten heißen Tagen gleich sechs der spinnenartigen Riesenzecken aufgetaucht, fünf Stück auf einem Pferdehof am Niederrhein und eine auf einem Pferd in Niedersachsen, teilten die Universität Hohenheim (Stuttgart) und das Münchner Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr mit.

Wahrscheinlich von Zugvögeln zu uns gebracht

Gemeiner Holzbock und Hyalomma marginatum
Die Zecke Hyalomma marginatum (r) ist deutlich größer als der Gemeine Holzbock (l, Ixodes ricinus) .
© deutsche presse agentur

"Nach den ersten Nachweisen dieses Jahres müssen wir davon ausgehen, dass diese Tiere bei uns in Deutschland überwintern konnten", sagte die Hohenheimer Parasitologin und Zecken-Expertin Ute Mackenstedt. Überwintern bedeute aber nicht notwendigerweise auch, dass die zu den Milben zählenden Tiere bereits heimisch seien.

Die Hyalomma-Zecken stammen aus den Trocken- und Halbtrockengebieten von Afrika, Asien und Südeuropa - von Spanien über Italien bis zur Türkei. Von den hiesigen Zecken wie etwa dem Gemeinen Holzbock kann man sie leicht unterscheiden: Sie sind mit bis zu zwei Zentimeter Länge wesentlich größer und haben auffällig gestreifte Beine.

Bislang wurden Hyalomma-Zecken mit Zugvögeln nach Deutschland transportiert, dort könnten sie sich nach Ansicht der Wissenschaftler in diesem Jahr stärker ausbreiten. Die diesjährigen Funde seien sehr früh gemeldet worden. "Wenn man den Entwicklungszyklus zurückrechnet, hätten sie zu einem Zeitpunkt eingeschleppt werden müssen, als die Zugvögel noch gar nicht da waren."

Man spürt, wenn sie auf einem herumkrabbeln

Die Hyalomma-Zecken können gefährliche Erreger übertragen, darunter jenes Virus, das das Krim-Kongo-Fieber verursacht, das mit schweren Blutungen einhergehen kann. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (Berlin) sind Hyalomma-Zecken seit 2017 auch in Deutschland nachgewiesen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 19 Exemplare in acht Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein) gefunden.

Weiter dominant bleibt in jedem Fall der sogenannte Holzbock als heimische Zeckenart, wie Mackenstedt sagte. Die von ihm übertragenen Erreger können Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) auslösen. Während die normalen Zecken nicht einfach zu sichten sind, sobald sie sich am menschlichen Körper festkrallen, spürt der Mensch den Angriff der Hyalomma-Zecke, sagt Expertin Mackenstedt: "Sie ist ja deutlich größer. Das merken sie, wenn die auf Ihnen herumläuft."