'Hwages'-Video: Verschleierte Frauen tanzen für mehr Rechte - und brechen Regeln

9. Januar 2017 - 18:54 Uhr

Saudische Frauen kämpfen gegen Unterdrückung

Frauen in Saudi-Arabien werden unterdrückt, sie haben so gut wie keine Rechte. Wenn es  nach den Herrschern im Öl-Königreich geht, soll das auch weiter so bleiben. Dagegen regt sich Protest. In einem Video, das seit Weihnachten bei Youtube zu sehen ist, tun Frauen, verhüllt in Nikabs, lauter Dinge, die ihnen verboten sind:  Sie tanzen, spielen Basketball, fahren Moped. Und sie ziehen über die Männer her.

Von Christiane Mitatselis

"Männer machen uns psychisch krank"

Das Video namens Hwages (Anliegen), das bereits mehr als zwei Millionen Mal aufgerufen wurde, stammt vom saudischen Musik-Produzenten Majed Al Esa. Es ist mit Musik unterlegt, die schwarz verhüllten Frauen tanzen nicht nur und tun andere ihnen verbotene Dinge wie Moped oder Rollschuh fahren, sie singen auch. Und zwar interessante Dinge wie: "Möge Gott uns von den Männern erlösen". Oder: "Männer machen uns psychisch krank."

Es ist traurig, aber wahr: Frauen in Saudi Arabien dürfen nichts, was hierzulande selbstverständlich ist. Sie werden noch nicht einmal als mündige Personen betrachtet. Sie haben einen gesetzlichen, männlichen Vormund. Bis zur Ehe ist es der Vater, Bruder oder Onkel. Danach der Ehemann. Ohne seine Erlaubnis dürfen sie das Land nicht verlassen, erst seit 1966 Schulen besuchen und überhaupt nicht Auto fahren. König Salman will daran auch nichts ändern.

In Saudi-Arabien gelten überhaupt unmenschliche Gesetze. Homosexualität ist verboten und wird mit Peitschenhieben oder sogar der Todesstrafe geahndet. Eine übliche Hinrichtungsart ist die Enthauptung durch das Schwert auf einem öffentlichen Platz. Todesstrafe steht zum Beispiel auch auf Gotteslästerung oder Ehebruch.

Mehr Schein als Sein? - Saudi-Arabien vs. USA

Im Frauen-Protest-Video ist auch eine Karikatur des neuen US-Präsidenten Donald Trump zu sehen. Warum? Es ist ebenfalls traurig aber wahr: Dieses fürchterliche, undemokratische, frauenfeindliche Land ist nach wie vor einer der wichtigsten Partner der USA, deren Politiker doch so gern von freiheitlichen Werten schwadronieren. Die Moral endet wieder einmal da, wo es um strategische und finanzielle Interessen geht. Grob gesagt sieht es so aus: Die USA sind der wichtigste Waffenlieferant Saudi-Arabiens, die Ölscheichs aus Riad sorgen ihrerseits dafür, dass der Ölpreis in den USA nicht steigt.

Es ist schwer einzuschätzen, welche Wirkung das Protest-Video in Saudi-Arabien haben wird. Auf jeden Fall ist es ein Schrei gegen Unterdrückung, der in der ganzen Welt gehört wird.

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