Er erinnert sich noch genau an ihre letzten Worte

Bahamas-Fischer muss hilflos mit ansehen, wie seine Ehefrau in den Hurrikan-Fluten ertrinkt

06. September 2019 - 10:30 Uhr

Hurrikan "Dorian" hinterlässt Tod und Verwüstung

"Dorian" ist der schlimmste Hurrikan, der die Bahamas je heimgesucht hat. Erst langsam wird die Zerstörung deutlich, die er auf den nördlichen Inseln Abaco und Grand Bahama hinterlassen hat. Noch ist unklar, wie viele Menschen ihr Leben lassen mussten. Bestätigt sind bislang sieben Todesopfer. Unter ihnen ist die Frau von Howard Armstrong. Der Krabbenfischer musste mit ansehen, wie sie ertrank.

"Ich werde sterben"

Seit 58 Jahren wohnte Armstrong mit seiner Frau Lynn in Freeport, der Hauptstadt von Grand Bahama. Zusammen trotzten sie vielen Stürmen. Doch die Fluten von "Dorian" waren schlimmer als alles zuvor. Jetzt steht der grauhaarige Mann mit dem wettergegerbten Gesicht vor dem Nichts. Der Hurrikan nahm ihm alles. Sein Zuhause, seine Habseligkeiten und vor allem seine geliebte Frau. Die beiden waren in ihrem Haus, als "Dorian" über die Insel hereinbrach.

"Es war alles in Ordnung, bis das Wasser kam", erzählt er mit Tränen in den Augen. "Die Haushaltsgeräte schwammen um uns herum, wie die Waschmaschine." Seine Frau und er stellten sich auf den Küchenschrank - der höchste Punkt in seinem Haus, so Armstrong. Doch die Fluten stiegen immer höher. Schließlich ragten nur noch ihre Köpfe aus dem Wasser. Über Stunden mussten sie dort ausharren. Lynn war kleiner als ihr Mann, er hielt sie in seinen Armen. "Und meine arme Frau war unterkühlt", sagt Armstrong über seine Lynn, der es immer schlechter ging.

Er erinnert sich noch genau an ihre letzten Worte: "'Ich werde sterben'. Und ich habe gesagt: 'Nein, wirst du nicht'. Und das war's. Ihr Mund lief voll mit Wasser", sagt er und die pure Verzweiflung spiegelt sich in seinem Gesicht. Das bewegende Interview sehen Sie im Video.

Einwohner vermissen ihre Angehörigen

An aerial view shows devastation after hurricane Dorian hit the Abaco Islands in the Bahamas, September 3, 2019, in this image obtained via social media. Michelle Cove/Trans Island Airways/via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED
Aus der Luft zeigt sich das ganze Ausmaß der Verwüstung auf der Insel Abaco.
© MICHELLE COVE/TRANS ISLAND AIR, Social Media, LP

Insgesamt lebten etwa 76.000 Menschen in den besonders betroffenen Gebieten. Die Armensiedlung The Mudd, in der vor allem haitianische Einwanderer lebten, wurde nach seinen Worten komplett zerstört. Im staatlichen Rundfunk und in sozialen Medien meldeten sich zahlreiche Bahamaer, die Angehörige vermissten.

Die US-Küstenwache war bereits seit Montag im Rettungseinsatz. Der Regierungschef sprach von weiteren Hilfsangeboten und bat um Spenden. Es handle sich um eine der schwersten nationalen Krisen in der Geschichte des Landes. Er kündigte auch den Einsatz von Sicherheitskräften an, um die öffentliche Ordnung zu bewahren.​

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Die Kreuzfahrt-Anbieter Carnival Cruises und die Disney Cruise Line in den USA kündigten Unterstützung für Soforthilfe und den Wiederaufbau auf den Bahamas an. Der Karibikstaat, dessen Staatsoberhaupt die britische Queen Elisabeth II. ist, ist ein beliebter Haltepunkt für Kreuzfahrtschiffe.

Auch die aus Barbados stammende Sängerin Rihanna hat Hilfe angekündigt. Die von ihr gegründete Clara Lionel Stiftung prüfe bereits, wie den Bahamas am besten geholfen werden könne, schrieb die 31-Jährige auf Twitter. Weitere Prominente wie Pharrell Williams oder Cardi B. zeigten in Sozialen Medien ihre Unterstützung für die betroffene Region.