Hungerblockade in Syrien: Baby Sahar wurde nur 34 Tage alt

24. Oktober 2017 - 14:22 Uhr

Das Leid in der syrischen Provinz Ost-Ghouta ist unerträglich

Die Bilder der kleinen Sahar sind schwer zu ertragen. Das kleine Mädchen, das am Ende nur noch aus Haut und Knochen bestand, schrie vor Hunger. 34 Tage lang musste es leiden, dann war es so kraftlos, dass es starb. Das Baby kam zur falschen Zeit am falschen Ort zur Welt: im September im syrischen Ost-Ghouta.

Sahar starb, weil ihre Mutter keine Milch für sie hatte

Die Provinz wird seit Monaten von Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad belagert. Zehntausende Menschen sitzen in der Falle und werden regelrecht ausgehungert. Die Bilder des unterernährten Babys gingen um die Welt, denn sie stehen symbolisch für das Leid Tausender Kinder.

Die Mutter der kleinen Sahar war selbst unterernährt, als sie das Kind zur Welt brachte. Darum konnte sie nicht stillen – sie hatte einfach keine Milch für ihr Baby. Das neugeborene Mädchen hatte keine Chance, denn Hilfslieferungen mit Medikamenten oder Säuglingsnahrung werden so gut wie nie in die Region vorgelassen. Hilfsorganisationen fürchten, dass es noch unzählige weitere Todesopfer durch Unterernährung gibt, wenn die Hungerblockade aufrechterhalten wird.

Baschar al-Assads Truppen wollen Ost-Ghouta gezielt aushungern

Ohne die dringend benötigte Spezialnahrung konnten die Ärzte im Krankenhaus in Hamouria nichts mehr für das Neugeborene tun. Kurz vor ihrem Tod wog Sahar gerade einmal noch 1.925 Gramm. In Deutschland wiegt ein Mädchen bei der Geburt durchschnittlich ca. 3.200 Gramm.

Ost-Ghouta östlich von Damaskus wird von Rebellen kontrolliert. Die Assad-Truppen und ihre Verbündeten setzen das Aushungern gezielt als Kriegsstrategie ein, um die Aufständischen zum Aufgeben zu zwingen. Es trifft vor allem die Schwächsten. Die Krankenhäuser sind voll mit Kindern, die stark unterernährt sind. Keiner weiß, wie viele schon gestorben sind - denn niemand macht sich die Mühe, die verhungerten Kinder zu zählen.